Automatische Direktvermarktung erfolgreich: Milchtankstelle in Rochau geplant

"Schatz, ich geh' noch schnell 'ne Flasche Frischmilch ziehen..."

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Brandenburgische Milchbauern bringen das weiße Gold seit vier Jahren per Knopfdruck unters Volk. Neuerdings gibt es dort auch Grillwürstchen aus dem Automaten. Eine automatische Milchtankstelle soll nun in Rochau entstehen.

Arneburg-Goldbeck/Altmark. Nach dem „Milchpreis-Gipfel“ auf dem Schwarzholzer Hof des Landeschefs im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, Peter Schuchmann (die AZ berichtete), blicken altmärkische Milchbauern nach Brandenburg.

Dort betreibt die Produktivgenossenschaft Dannenberg (Märkisch-Oderland) seit fast vier Jahren eine Milchtankstelle, wie sie baugleich auch in Klietznick (Jerichower Land) Frischmilch-Fans rund um die Uhr versorgt. Kunden stecken einen Euro in den Geldschlitz und bekommen per Knopfdruck einen Liter Rohmilch in der PET-Flasche. Nun will auch ein Landwirt aus Rochau eine solche Milchtankstelle mitten im Altmarkdorf eröffnen, während die Kollegen in Brandenburg ihr Produktangebot schon deutlich erweitert haben. Sie haben seit April mit „Horst“, einer Weiterentwicklung der Milchtankstelle, einen Regiomaten am Start, der Eier, Butter, Rapsöl, Rindfleisch und Würstchen ausspuckt. Das kommt bei Kunden an, vor allem weil „Horst“ auch außerhalb sonst zuweilen lästiger Öffnungszeiten mit Frischkost handelt.

Angesichts der Milchpreis-Krise setzen immer mehr Milchbauern auf Direktvermarktung. Für den Minisupermarkt müssen sie für die Tankstellengehäuse zwischen 10 000 und 20 000 Euro sowie für den EU-zertifizierten Milchautomaten mit Kühlung, Behälter, Rührwerk und Abfüllung zwischen 6000 und 12 000 Euro investieren. Fachberater der Milchwirtschaft schätzen, dass sich diese Direktvermarktungsform erst ab etwa 50 Liter am Tag bei einem Preis von einem Euro pro Liter rechnet. Die Experten raten den Landwirten dringend, vor der Investition Kontakt mit dem Veterinäramt aufzunehmen, weil manche Beamte mit dem Ab-Hof-Verkauf von Rohmilch Probleme hätten. Außerdem sollten die Milchbauern ihre Verträge mit der Molkerei dahingehend prüfen, ob sie Milch überhaupt anderweitig abgeben dürfen. Für den Erfolg der nicht ganz billigen Investition sei maßgeblich, dass die Tankstelle verkehrsgünstig liegt, sie gut sichtbar und gut zugänglich ist, dass es Parkmöglichkeiten gibt, alles sauber und freundlich gestaltet ist, dass Mehrwegflaschen bereit stehen und dass über die Produktion informiert wird.

„In strukturschwachen ländlichen Regionen müssen wir uns etwas einfallen lassen, wenn immer mehr Läden und Supermärkte schließen“, sagt Jens Petermann. Der Geschäftsführer der Produktivgenossenschaft Dannenberg beobachtet seit dem Start von „Horst“ einen erstaunlichen Mitnahmeeffekt. Bis April verkaufte der 12-Mitarbeiter-Betrieb seine ländlichen Produkte vorwiegend im Hofladen. Weil Stammkunden die Ware aber auch außerhalb der Öffnungszeiten nachfragen, kam der Regiomat „Horst“ ins Spiel. Die Fleischprodukte werden eingeschweißt und kontinuierlich bei vier bis sieben Grad gekühlt, denn es gelten für den Automaten die gleichen Kriterien wie für einen normalen Laden. Ende Juni hat auch die Agrargenossenschaft „Höhe“ in Steinbeck (Märkisch-Oderland) einen Regiomaten gestartet. Er bietet neben Eiern, Honig, Lein- und Rapsöl auch Grillwürstchen von Fleischern der Region an. „Unsere Genossenschaft gibt es seit 25 Jahren. Wir wurden oft gefragt, wo es das, was wir produzieren, zu kaufen gibt“, sagt Vorstand Regina Helbig. Das Bewusstsein der Leute sei gewachsen, viele wollten wissen, woher die Lebensmittel kommen. Deshalb soll es in dem Regiomaten ab Frühjahr auch Wildfleisch-Produkte geben. Zur Genossenschaft zählen 350 Hektar Jagdgebiet mit eigenem Jäger.

Von Antje Mahrhold

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