Rathaus sieht Gedenkstein und Worte des DDR-Hymnentexters Becher fest im August-Bebel-Park

„Friedenstaube“ erträgt Blessuren

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Das Denkmal ist an einigen Stellen beschädigt.

Stendal. Der „Friedenstaube“ droht der Absturz, könnte man meinen. Daran ändert auch ein gehöriges Maß an realsozialistischem Pathos nichts.

Der mausgraue „Gedenkstein für die Opfer des Faschismus“ aus dem Jahr 1969 steht ein wenig vergessen zwischen all den Bäumen und Sträuchern. Johannes R. Bechers Worte haben an einigen Stellen deutlich Kerben bekommen, ob durch den Zahn der Zeit oder Zerstörungswütige, ist unklar. Sein Platz im Stendaler August-Bebel-Park scheint dennoch ungefährdet. Der Stein dürfe weder abgetragen noch versetzt werden, weiß Stadtsprecherin Sandra Slusarek. Zumal es sich um einen historischen Standort handele, schon vor mehr als 100 Jahren soll sich dort ein Denkmal befunden haben.

„Poetisiert werden klassenkämpferische Grundaussagen“, die der kommunistischen „Internationalen“ zuzuordnen und für die Zeit nach der Ulbricht-Ära kennzeichnend seien, heißt es aus dem zuständigen Fachamt mit Blick auf das Denkmal. Becher (1891 – 1958) spaltete schon zu Lebzeiten die Meinungen. Der gebürtige Münchener gilt als bedeutender expressionistischer Dichter, sein staatspolitisches Engagement wird hingegen oftmals eher kritisch gesehen, auch wenn er selbst mit dem Parteiapparat aneinandergeriet und später sogar vom Sozialismus als „Grundirrtum meines Lebens“ schrieb. Becher war Minister für Kultur sowie erster Präsident des Kulturbundes der DDR. Bekannt ist er auch als Verfasser des Textes der Nationalhymne: „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt ...“

Das Stendaler Denkmal sei gefällig und zeige eine unverbindliche Gestaltung. Der Künstler ist unbekannt. Eine Prüfung des Zustandes durch die Stadt, die auch der Eigentümer ist, erfolgte aktuell noch nicht. Allerdings sei den Fachleuten auch nicht bekannt, dass die Standsicherheit des Gedenksteins gefährdet ist, teilt Slusarek nach Rücksprache mit ihren Kollegen mit. Grundsätzlich gelte eben: „Es ist ein Zeitdokument und ist zu erhalten.“

Der frühere Wall- und Grabenbereich wurde übrigens 1905/06 zum „Ostpark  I“ umgewandelt. Seit geraumer Zeit heißt das Gelände laut Stadtsprecherin offiziell August-Bebel-Park. Viele Rolandstädter sagen aber lieber Ostpark.

Von Marco Hertzfeld

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