Litauen-Helfer bangen um Partnerschaft des Landkreises mit dem neuen Euro-Land

Freundschaft verliert an Wert

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Für die deutsche Sprache: Mit einem Kleinbus haben Prof. Kaschade und seine Mitstreiter über die Jahre hinweg mehrere Tausend Bücher aus Stendal nach Osteuropa gebracht. Mazeikiai im nördlichen Litauen stand dabei häufig auf dem Reiseplan.

Stendal. Während nun auch Litauen auf den Euro setzt, verliert die Partnerschaft zwischen dem Landkreis Stendal und Mazeikiai weiter an Wert. Prof. Hans-Jürgen Kaschade fürchtet um die Mitte der 1990er-Jahre offiziell besiegelte Verbindung mit Litauen.

Das Literaturhilfswerk (LHW) Stendal hat mehr als 4000 Bücher in das Land geschafft, ist aber mittlerweile Geschichte. Ende März wird die Indien-Ausstellung der Altmärker als letzte von gut einem Dutzend Präsentationen abgebaut, einen weiteren Auftritt soll es nicht geben.

Damit endet das mehr als zehnjährige Engagement des Mittsiebzigers im größeren Rahmen. Seine Stiftung will die Kooperation zwischen der rolandstädtischen Comenius-Ganztagsschule und dem Gymnasium in Vieksniai in diesem Jahr mit 1000 Euro unterstützen und darüber hinaus ausgewählten litauischen Jugendlichen auch weiterhin ein Stipendium für die Sommerschule der Hochschule in Stendal ermöglichen. „Das war es dann aber auch. Wer mehr will, muss sich selbst rühren“, formuliert der frühere Chef des Existenzgründerzentrums BIC eine klare Botschaft an den Landkreis.

Litauen ist vor wenigen Tagen der Euro-Zone beigetreten. Die Partnerschaft mit der Region Mazeikiai ist ein Erbe der Altkreises Havelberg. Jörg Hellmuth (CDU), lange Jahre Landrat, habe die Verbindung nach Litauen gewollt und gefördert. Der Partnerschaftsvertrag datiert aus 1994. „Wir sind später quasi aufgesprungen, gerne aufgesprungen, weil uns eine Deutschlehrerin in Litauen um Hilfe gebeten hatte.“ Anfangs war sogar ein deutsches Kulturzentrum in der Gegend geplant. Dass es nur eine Art Stützpunkt im Gymnasium wurde, auch das wertet der Professor letztendlich als Erfolg. „Wir wollten nicht nur die deutsche Sprache im Ausland fördern, sondern auch zum kulturellen Austausch beitragen und wirtschaftliche Kontakte ermöglichen. Wer andere Lebensweisen kennt und achtet, schlägt keine Ausländer. Internationalität ist ein gutes Rezept gegen Ausländerfeindlichkeit.“

LHW und Kaschade-Stiftung haben vor allem in Osteuropa ihre Spuren hinterlassen, aber auch in ferneren Gebieten. In einigen Tagen geht es für den Professor wieder einmal nach Peru. Prof. Kaschade ist vor einiger Zeit in Litauen für sein Engagement ausgezeichnet worden. Die Partnerschaft mit den Balten neu zu beleben, sei die Sache anderer. Der Landkreis unterhält noch eine zweite Partnerschaft. Die Verbindung nach Jarzewo, südwestlich von Moskau, scheint aber bereits eingeschlafen.

Der für Kreis-Partnerschaften zuständige Vize-Landrat Dr. Denis Gruber (SPD) ist bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen gewesen.

Von Marco Hertzfeld

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