Für die Einschulung im August führt der Förderverein Gespräche in Osterburg und Seehausen

Freie Schule wirbt bei den Nachbarn

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Vor drei Jahren kämpfte Jochen Hufschmidt gegen die Schließung. Seit Oktober 2013 ist der 70-Jährige Bürgermeister in Werben. Nun will er Direktor der Freien Schule sein.

Werben. Für „Last-Minute-Einschulungen“ in der neuen (alten) Schule der weltkleinsten Hansestadt ist Vize-Bürgermeister Bernd Schulze in diesen Tagen viel unterwegs.

Der Mitakteur im Förderverein „Werben für Kinder“ hat den Flyer der in Gründung befindlichen Freien Grundschule am Montagabend in Goldbeck auf der Bürgermeister-Beratung der Verbandsgemeinde verteilt. Nun wolle das Vize-Oberhaupt aus dem hohen Norden auch bei Osterburgs Einheitsgemeinde-Chef Nico Schulz und beim neuen Verbandsgemeinde-Bürgermeister in Seehausen, Rüdiger Kloth, um Abc-Schützen für die Bildungsstätte werben, hat Schulze der AZ angekündigt.

Weil die neue Schule auf Methoden der Reformpädagogik setzt und im Stil von Montessori unterrichten will, bildet ein Zitat der italienischen Erfinderin die oberste Handlungsmaxime. „Was Kinder betrifft, betrifft die Menschheit“, hat die 1952 verstorbene Philantropin Maria Montessori einst erklärt. Nach ihren Prämissen arbeitet seit einigen Jahren auch die Freie Grundschule auf dem Bauernhof in Bindfelde bei Stendal.

In Werben tritt die im Süden Sachsen-Anhalts ansässige Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg als Träger der neuen Schule auf. Sie soll die Lehrlücke in der Hansestadt schließen, die durch die Schließung der früheren Grundschule im Juli 2014 nach einem Beschluss des Verbandsgemeinderates entstanden ist. Die Stiftung unterhält Tochtergesellschaften an zahlreichen Standorten, unter anderem in Magdeburg, wo sie eine dreisprachige internationale Grundschule betreibt. In der Altmark existiert unter dem Dach der Stiftung im Tangerhütter Ortsteil Schleuß eine therapeutische Kinderwohngruppe.

Die am 13. August geplante Eröffnung der Freien Schule, die Werbens Bürgermeister Jochen Hufschmidt, ein pensionierter Gymnasiallehrer, als Direktor leiten will (AZ berichtete), verstehe der Förderverein „als Zeichen bürgerschaftlichen Engagements in einer lebenswerten Umwelt“. Ziel der Hanserstadt, des Fördervereins und der Stiftung sei es, „kinder- und familienfreundliche Lebensbedingungen in der Stadt und der Region zu erhalten und zu fördern“. Geplant ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Hort. Ab 6.30 Uhr soll für alle Schüler die „flexible Ankunftszeit“ beginnen, während die „gemeinsame Schul- und Hortzeit bis 15 Uhr“ dauert und eine Betreuung im Späthort bis 17.30 Uhr möglich sei. Gelernt wird in jahrgangsgemischten Gruppen von maximal 20 Kindern. „Unser schulisches Gemeinschaftsleben gestaltet sich auf Grundlage eines christlichen Menschenbildes“, es werde Wert gelegt auf einen achtsamen, toleranten Umgang miteinander, auf gegenseitige Wertschätzung und auf globales Verantwortungsbewusstsein, heißt es im Schul-Infoblatt. Und auch: „Wer aufgeschlossen und neugierig durchs Leben geht, wird auch schwierigen Herausforderungen selbstbewusst und leistungsbereit begegnen können.“

Von Antje Mahrhold

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