Birigt Hartmann hält Finanzierung der Institution für unsicher

Frauenhaus in Stendal: „Geld reicht nicht aus“

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Für Frauen, die psychisch oder körperlich misshandelt werden, steht das Frauenhaus zu jeder Tages- und Nachtzeit offen. Die Finanzierung ist unsicher und Institution mit eineinhalb Vollzeitstellen personell dürftig besetzt, findet Birgit Hartmann.

Stendal. „Das Geld reicht nicht aus und die Finanzierung ist nicht sicher. Und diese Probleme tragen wir auch in die Landesregierung“, beklagt Gleichstellungsbeauftragte Birgit Hartmann das finanzielle Fundament des Frauenhauses.

Die Einrichtung war im vorigen Jahr mit 72,2 Prozent ausgelastet und bietet Platz für acht Frauen und ihre Kinder.

Finanzielle Mittel erhalte das Frauenhaus aus Töpfen von Stadt, Landkreis und Landesregierung. „Aber die Gelder müssen in regelmäßigen Abständen neu beantragt werden. Ansonsten finanziert sich das Haus natürlich auch durch Spenden“, so Hartmann im AZ-Gespräch. Der geringe Unkostenbeitrag von sechs Euro pro Übernachtung für eine Frau und zwei Euro für jedes Kind würde keinen nennenswerten Beitrag zur Finanzierung leisten.

Bedingt durch die dünne Finanzdecke ist das Frauenhaus mit eineinhalb Vollzeit-Stellen auch personell eher dürftig besetzt. „Zwei Vollzeitstellen würde ich für sinnvoll halten“, sagt Hartmann, „die Landesregierung hat die Wichtigkeit des Frauenhauses noch nicht erkannt.“

Dass das Frauenhaus insbesondere für junge Mütter ein notwendiger Anlaufpunkt ist, zeigen die Zahlen. Im Jahr 2014 haben 44 Frauen und 31 Kinder in der Einrichtung Schutz gesucht. Häufig würden betroffene Frauen von Polizeibeamten oder der Gleichstellungsbeauftragten an das Haus vermittelt. Hartmann kann sich in diesem Punkt auf Netzwerkpartner wie der Opferberatung des sozialen Dienstes oder auch den Verein „Miß-Mut“ verlassen. „Es kam auch schon vor, dass ich Migrantenfrauen persönlich in das Frauenhaus gebracht habe“, so Birgit Hartmann. Mit der Leiterin Margot Nawitzki verbinde sie eine langjährige Zusammenarbeit. „Das Netzwerk muss funktionieren“, bekräftigt die Mitarbeiterin des Landkreises, die vor ihrer Tätigkeit als Gleichstellungsbeauftragte bereits 13 Jahre lang das Stendaler Asylbewerberheim am Möringer Weg leitete.

Die mittlere Verweildauer der Frauen betrage rund 48 Tage. „Das ist relativ lange“, sagt Hartmann und sieht den Grund dafür in den nötigen Beratungsgesprächen. „Die Frauen wurden schwer misshandelt und sind nicht in der Lage, das Organisatorische zu deckeln“, so Birgit Hartmann.

Das Modell eines Männerschutzhauses hätte Hartmann „gerne probiert“. Misshandelte Männer müssten sich aber weiterhin an die Beratungsstelle „proMann“ in Magdeburg wenden. „Es hat bislang auch nur ein Mann Rat gesucht, aber auch auf solche Probleme muss aufmerksam gemacht werden.“ Im Vordergrund stehe, dass Betroffene von Hilfsangeboten erfahren.

Von Mike Höpfner

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