Wahl-Münchner will „auffallen“, damit Erdbeben-Opfer nicht vergessen werden

Mit Frack und Krawatte „die Wölfe heulen gehört“

Das luftbereifte „Ninebot One“ erreicht etwa Tempo 30. Das Fahrgerät hat eine Reichweite von circa 35 Kilometern.

Werben. „Flaches Land schont den Akku. “ Gekonnt erklimmt Jörn Dreuw sein stylishes Elektro-Einrad, um auf dem Deich der weltkleinsten Hansestadt in Fahrt zu kommen.

Es ist Halbzeit für den 45-Jährigen, noch etwa zwei Wochen lang will der Journalist Geld und Freizeit für eine ziemlich ungewöhnliche Mission investieren.

In Frack mit Weste, Stresemannhose, Krawatte mit Windsor-Knoten und blank gewichsten Derbyschuhen ist der gebürtige Aachener seit Anfang Juni auf Radwanderwegen entlang der Flüsse Deutschlands unterwegs, um angesichts des nahenden Beginns der Monsunzeit das Leid der Erdbeben-Opfer in Nepal „wieder in das Bewusstsein der Menschen zu rufen“. Bewusst spielt Dreuw die Aufmerksamkeitskarte aus, indem er zwei seiner Hobbys miteinander verbindet.

„Um in unserer reizüberfluteten Gesellschaft aufzufallen, muss schon etwas sehr Ungewöhnliches her“, redete Dreuw gegen den Wind am Deich an. Donnerstagabend setzte er am Gierseil der Fähre Räbel über und erreichte in seiner Kluft als „Spenden-Butler“ auf dem elektrischen Hightech-Rad erstmals altmärkischen Boden. „Ich haben einen Abschluss an der internationalen Butler-Akademie in den Niederlanden. So wurde die Figur des rollenden Spenden-Butlers geboren.“

Seit seinem Stopp in Bleckede hat der 45-Jährige aufgerüstet. Mit Hilfe eines 3-D-Druckers entstand aus Plastik eine Melonenkrempe für den bis dahin handelsüblichen Skaterhelm. Seitdem umweht das Haupt des rollenden Dieners auch klamottentechnisch etwas Religiöses, was dem Kampf gegen das Aufmerksamkeitsdefizit der Gesellschaft ja nicht abträglich ist.

Überhaupt Bleckede. Irgendwo da beim Rollen über Radlerpisten in der niedersächsischen Elbregion habe der 45-Jährige nachhaltig Naturakustik erlebt. „Ich habe Wölfe heulen gehört“, sagt Dreuw der AZ. Und als er ein totes Schaf fand, habe er die Polizei gerufen.

Sein Gepäck transportiert der rollende Reisende in einer Bauchtasche, die drei Kilo fasst. Darin sind die wichtigsten Utensilien seiner Landtour: Ladegeräte für Elektrorad und Smartphone. Eine Spendenbüchse aber hat der Wahl-Münchner auf seiner einsamen Deutschlandreise, die Anfang Juni auf dem Bismarckplatz in Regensburg begann, nicht dabei. Auch Geld nimmt er nicht entgegen. Sondern empfiehlt „vier von mir sorgfältig ausgesuchte Hilfsorganisationen“.

Die Höhepunkte seines Einrad-Erlebnisses veröffentlicht Dreuw auf Facebook, Twitter, Instagram, Youtube und seiner Homepage spenden-butler.de.

Von Antje Mahrhold

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