Landesamt für Verbraucherschutz bilanziert keine Häufung gefährlicher Infektionskrankheiten

Flüchtlinge nicht kranker als Deutsche

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Mitarbeiterin Bärbel Zemke (v.r.) und Dr. Wolfgang Gaede, Bereichsleiter des Landesamtes für Verbraucherschutz, erläutern der Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration, Petra Grimm-Benne, die Aufgaben der bakteriologischen Untersuchung.

Stendal. Die Befürchtung, dass durch die Flüchtlingswelle Krankheiten ins Land gespült würden, hat sich nicht bestätigt: „Flüchtlinge sind nicht kranker als die deutsche Bevölkerung“, sagte Bereichsleiterin Dr. Hanna Oppermann gestern in Stendal.

Dort wurde der Jahresrückblick des Landesamtes für Verbraucherschutz durch die zuständige Ministerin Petra Grimm-Benne (SPD) präsentiert.

Danach wurden 2015 keine Epidemien oder außergewöhnliche Häufungen gefährlicher Infektionskrankheiten festgestellt. Von September bis Ende Dezember 2015 (vorher gab es keine spezielle Erfassung) wurden 77 meldepflichtige Infektionskrankheiten bei den insgesamt 41 000 registrierten Asylsuchenden in Sachsen-Anhalt diagnostiziert. Aus der deutschen Bevölkerung wurden insgesamt 3710 gefährliche Infektionskrankheiten gemeldet. Allerdings müsse berücksichtigt werden, so Dr. Oppermann, dass alle Flüchtlinge eine Pflichtuntersuchung absolvieren müssen. Bei Deutschen würden viele dieser Krankheiten eher zufällig festgestellt.

Mit den Themen Hygiene, Lebensmittelsicherheit und Arbeitsschutz (Gewerbeaufsicht) ist die Behörde vielfältig engagiert und am Standort Stendal mit dem Bereich Veterinärmedizin vertreten. Rund 700 000 Proben aus allen Landesteilen werden hier alljährlich mikrobiologisch untersucht, berichtete Bereichsleiter Dr. Wolfgang Gaede. Kern der Aufgaben sei die Bekämpfung von Tierkrankheiten und der Schutz des Menschen vor vom Tier auf den Menschen übertragbaren Krankheiten. In Stendal werden unter anderem Proben geschlachteter Tiere auf Rückstände von Arzneimitteln untersucht. Hier seien nur in fünf von rund 23 000 untersuchten Proben Rückstände in unzulässiger Höhe gemessen worden.

Außerdem werde Schwarzwild auf den Hepatitis E-Virus untersucht. Ein Viertel der 2015 getesteten Wildschweine waren infiziert. Unklar sei, ob diese Infektionen unmittelbar mit Erkrankungen bei Menschen zusammenhängen. Immerhin stieg zwischen 2011 und 2015 die Zahl an Hepatitis E erkrankter Bürger in Sachsen-Anhalt von zehn auf 84.

Von Christian Wohlt

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