Fördern und fordern: „Maranata“-Verein und Kaschade-Stiftung eröffnen heute Werkstatt

Wo Flüchtlinge auf Holz bauen

Sardar Alizadeh (44) lebt seit fünf Monaten in Deutschland. Der Iraner streicht die Räume der Holzwerkstatt an der Nicolaistraße.

Stendal. Sardar Alizadeh ordert einen weiteren Eimer weißer Farbe. Der Iraner muss sich sputen, schließlich muss alles in einigen Stunden fertig sein. Noch stehen nicht alle Maschinen für die Beschäftigungsräume an der richtigen Stelle.

Der 44-Jährige wird die Malerrolle bald gegen Säge und Hobel tauschen. Der Verein „Maranata“ und die Kaschade-Stiftung haben im Charityshop an der Nicolaistraße in Stendal eine Holzwerkstatt für Asylbewerber eingerichtet. „Die Flüchtlinge sollen dort gefördert und gefordert werden“, erklärt Barbara Miesterfeldt der AZ. Die offizielle Eröffnung ist für den heutigen Mittwoch geplant.

Prof. Hans-Jürgen Kaschade hat die Geräte und Werkzeuge gestellt. Der früher Chef des Existenzgründerzentrums und Gründungsrektor der Hochschule in Magdeburg und Stendal besitzt eine Fensterbaufirma bei Berlin. „Holz ist ein wunderbares Material, das sich schier unendlich verschieden bearbeiten und verwenden lässt“, findet Miesterfeldt. Die Kooperationspartner sprechen vor allem Männer an. „Wenn aber Frauen meinen, sie hätten Talent, steht ihnen die Tür natürlich ebenfalls offen.“ Nach einem Sprachkurs sei die Werkstatt ein weiterer wichtiger Baustein zur Integration.

Miesterfeldt hat bereits vorgefühlt und ist sich ziemlich sicher, dass viele Asylbewerber aus Afghanistan, Syrien und anderen Ländern das Angebot annehmen werden. „Flüchtlinge sollten möglichst frühzeitig eine Aufgabe erhalten, arbeiten und nicht einfach nur rumsitzen“, sieht sich die Stendalerin in Übereinstimmung mit Prof. Kaschade. „Wir kennen das ja auch von uns Deutschen, ist der Schlendrian erst einmal da, ist er oft nur schwer wieder loszuwerden.“ Die Ostaltmärkerin leitet die Teestube, ein Jugendklub in Stadtsee, wo derzeit etliche Deutschkurse für Flüchtlinge laufen. Im Charityshop hilft sie mit Rat und Tat. Den Hut für das Werkstattprojekt hat Katharina Feuerherdt, Mitglied im Vereinsvorstand, auf. Stendals Adventgemeinde ist so etwas wie das verbindende Band zwischen allem.

Der christliche Ansatz spiele eine Rolle, sicherlich. Wobei es Miesterfeldt nicht mag, alle und alles in Schubladen zu stecken. „Ich begegne anderen Menschen mit Toleranz und die erwarte ich auch von anderen, egal, ob sie nun Muslime oder Christen sind.“ Die Stendalerin kann sich vorstellen, dass einige Flüchtlinge sogar für immer bleiben. „Wenn sich ein Mensch wirklich integriert, nicht nur mit dem Mund, die Werte und Wurzeln, die hier bei uns vorherrschen, akzeptiert, dann finde ich das okay.“

Von Marco Hertzfeld

Kommentare