Berufsbildende Schule I in Stendal hat nicht genug Personal für Migranten

Deutschkurse für junge Flüchtlinge: „Es fehlen mindestens vier Lehrer“

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Die Strukturen der geplanten, zusammengelegten Berufsbildenden Schule bereiten Jörg Hagge (M.) noch Kopfzerbrechen. Problematisch ist aktuell auch die Beschulung von Migranten.

Stendal. „Das ist doch eine Farce“, so ärgert sich Lothar Bätz, Schulleiter der Berufsbildenden Schule I(BbS), über den Lehrermangel für Schüler mit Migrationshintergrund.

„Es fehlen mindestens vier Lehrer“, erläutert der Pädagoge im Rahmen des Schul-, Sport- und Kulturausschusses des Kreistages am Mittwochabend. Was Bätz besonders ärgert, sind die Einstellungsfristen für mögliches neues Personal in den aktuellen Ausschreibungen: „Der Termin für eine früheste Einstellung wäre momentan der 17.  Oktober. Das Arbeitsverhältnis endet am 31.  Dezember dieses Jahres. Wer bewirbt sich denn für zweieinhalb Monate?“.

115 Migranten werden momentan an der BbS I beschult. So findet sich im Bereich Holzbearbeitung neben Hammer und Meißel auch ein Leitfaden zur deutschen Rechtschreibung.

Die BbS I hat insgesamt knapp 1000 Schüler. Im Oktober 2015 habe man begonnen, zwei Sprachklassen für 30 junge Flüchtlinge aufzubauen. In 20 Stunden pro Woche wurde dort Deutsch unterrichtet. „Im November 2015 waren es dann schon etwa 70 Schüler“, so Bätz. Die ersten Einstellungen für neue Lehrer seien erst im März 2016 erfolgt. „Aber es kommt noch schlimmer“, weist der Schulleiter auf die aktuelle Problematik hin.

Im aktuellen Schuljahr unterrichtet die BbS I insgesamt 115 Migranten. Es gibt acht sogenannte BVJ-Klassen, BVJ steht für Berufsvorbereitungsjahr. Eine weitere Klasse soll noch geöffnet werden. Die Frage, die Lothar Bätz und seine Kollegen beschäftigt, ist, was nach dem Fristende passiert. Bätz: „Was sollen wir denn mit den Migranten ab 1. Januar machen? Vor die Tür setzen?“ Mit den Migranten selbst gebe es vom schulischen Standpunkt her keine größeren Probleme. „Die müssen sich erst einmal an den täglichen Rhythmus sowie Schul- und Hausordnung gewöhnen. Viele vergessen noch ihre Arbeitsschuhe oder ihr Sportzeug“, so der Schulleiter.

„Das stimmt uns alle sehr nachdenklich“, sagt der Ausschussvorsitzende Dr. Henning Richter-Mendau (CDU), „da gibt es sicher dringenden Handlungsbedarf. Wie diese Probleme konkret gelöst werden können, bleibt aber abzuwarten.“ Für Torsten Dobberkau (SPD) steht fest: „So eine Ausschreibung ist doch eine Schande.“ Ausschussmitglied Horst Janas schlug vor, das Thema im kommenden Kreistag anzusprechen. Vize-Landrat Dr. Denis Gruber kennt die Problematik nur zu gut: „Das sind strukturelle Probleme, die seit 25 Jahren im Land auf personeller und materieller Ebene geschaffen wurden.“ Einigkeit herrschte im Ausschuss jedoch darüber, dass es grundsätzlich um eine vernünftige Beschulung aller Schüler geht, ob Migranten oder Deutsche.

Hinzu kommt, dass BbS I und BbS II im Schuljahr 2017/18 zu einer Berufsbildenden Schule Stendal zusammengelegt werden sollen. „Wir wissen noch gar nicht, wie die neue Struktur aussehen soll“, beklagt Jörg Hagge, Schulleiter der BbS II. Wer etwa Leiter der neuen Schule werden soll, stehe noch gar nicht fest. „Es gibt keine Rückmeldungen vom Schulamt. Wir werden richtig alleine gelassen.“ Laut eines Entwurfes der Schulentwicklungsplanung aus dem vergangenen Jahr soll künftig entsprechend der wirtschaftlichen Erfordernisse eine stetige Anpassung der Strukturen erfolgen.

Von Mike Höpfner

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