Sozialforscher aus Halle präsentieren Studie in Stendal: „Bildungsföderalismus abschaffen“

Familie ist nichts für Feiglinge

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Kinder, Kinder: Sachsen-Anhalts Eltern leisten sich aus Geldnot zunehmend nur einmal Nachwuchs. Das Land leidet laut den Forschern bundesweit mit am stärksten unter „atypischen Arbeitszeiten“.

Stendal/Halle/Magdeburg. Vater, Mutter, Kind – mehr geht meist nicht zwischen Arendsee und Zeitz.

Das ist jedenfalls die klare Botschaft der Studie „Familienland Sachsen-Anhalt“, die das Zentrum für Sozialforschung (ZSH) der Uni Halle-Wittenberg im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in einer Befragung von genau 1000 Sachsen-Anhaltern ermittelt hat. Auch die Meinung der Region ist in die Studie eingeflossen. Und wie immer noch sehr groß der Kraftakt gegen den zunehmenden Trend der Ein-Kind-Familie zu sein scheint, stellen die Studien-Autorinnen Rebekka Heyme und Sabine Böttcher altmärkischen Interessierten am Dienstag, 23. August, im Stendaler Hotel „Schwarzer Adler“, ab 17 Uhr, im Detail vor.

Demnach entscheiden sich Paare für das erste Kind oftmals noch unabhängig vom Einkommen. Wenn dann aber über weiteren Nachwuchs nachgedacht wird, beginne das große Rechnen. Ein häufiger Grund dafür sei, dass es vielen Familien im einstigen Land der Frühaufsteher aufgrund der finanziellen Situation zu unsicher sei, mehr als ein Kind zu bekommen. „Eltern beziehen die zusätzlichen Belastungen stärker in ihre Familienplanung ein“, erläutert der Leiter des Magdeburger FES-Büros, Ringo Wagner. Zunehmend sei auch die Kinderbetreuung ein wichtiger Aspekt. So müssten etwa die Öffnungszeiten von Kindertagesstätten flexibler gestaltet werden, weil die Familien zwischen Zeitz und Arendsee anders als in anderen Bundesländern atypischen Arbeitszeiten, finanziellen und zeitlichen Belastungen am stärksten ausgesetzt seien.

So halten 42 Prozent der Befragten eine bessere finanzielle Absicherung für Familien nötig. An zweiter Stelle folgt laut Wagner „eine Abschaffung des Bildungsföderalismus“. Selbst wenn ein Kind innerhalb einer Stadt die Schule wechsele, benötige es einen komplett neuen Büchersatz. Wagner: „Das ist lästig. Dass muss nicht sein.“

Von Antje Mahrhold

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