Stendaler Krankenpfleger steht seit gestern in Berlin vor Gericht

Falscher Schiffsarzt gesteht Lebenslüge ein

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Auf einem Schiff der Aida-Flotte hatte der Stendaler Passagiere behandelt.

mei Berlin / Stendal. Seit gestern muss sich Denny H. , der „falsche Aida-Arzt“, in Berlin vor Gericht verantworten. Er hatte sich jahrelang mit gefälschten Zeugnissen als Arzt ausgegeben und unter anderem auf einem der berühmten Kreuzfahrtschiffe Passagiere behandelt.

Der heute 41-Jährige war in Stendal zum Krankenpfleger ausgebildet worden (Examen 1999). Zehn Jahre lang arbeitete er auf der Intensivstation des Stendaler Krankenhauses.

Gestern zu Prozessbeginn vor dem Berliner Landgericht legte Denny H. ein Geständnis ab. Er wolle sich „aufrichtig bei den Menschen entschuldigen“, deren Vertrauen er in den letzten Jahren missbraucht habe. Und: Er habe niemandem schaden, sondern helfen wollen.

Nach seiner zehnjährigen Arbeit auf der Intensivstation hatte Denny H. gekündigt und war ein Jahr lang durch Asien gereist, behandelte unter anderem arme Menschen in Kambodscha. „Ich wollte mich nicht als Arzt ausgeben, ich wollte helfen“, sagte er gestern vor Gericht. Als er, zurück in Deutschland, seine spätere Ehefrau kennenlernte, sagte er ihr, er sei Intensivmediziner. Im September 2010 bewarb sich H. auf eine Stellenanzeige der Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die einen ärztlichen Koordinator suchte. Hier begann die Lebenslüge, denn H. fälschte seine Bewerbungsunterlagen, die ihm ein mit der Note „Gut“ abgeschlossenes Medizinstudium mit Facharztausbildung für Anästhesiologie, absolviert in der Stendaler Klinik, bescheinigten. Zweieinhalb Jahre arbeitete Denny H. bei der DSO, wo er in 57 Fällen bei Organentnahmen als Anästhesist dabei gewesen sein soll. Im Anschluss war H. anderthalb Jahre als Dozent an der Berliner Charité und parallel ab April 2014 als Schiffsarzt auf der Aida tätig. 1221 Mal soll der falsche Arzt auf dem Schiff Passagiere behandelt haben. Als auf der Aida erkennbar war, dass die Unterlagen des falschen Arztes nicht in Ordnung sind, offenbarte sich H. dem Kapitän und wurde gekündigt.

Im Dezember 2015 ist schließlich das ganze Ausmaß des Betruges deutlich geworden. H. kam in Untersuchungshaft. Als falscher Arzt verdiente er ca. 400 000 Euro. Nach Angaben seines Anwaltes habe es nie Beschwerden darüber gegeben, dass H. als „Arzt“ Fehler gemacht habe.

Der Prozess geht weiter.

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