Ältere Einwohner „kurz vor dem Nervenkollaps“

EU-Naturschutzrichtlinie droht Deichbau auszubremsen

Stendal. „Es gibt Probleme mit den Versicherungen“, klagte Fischbecks Bürgermeister auf der zweiten Hochwasser-Konferenz am Mittwoch. Besonders ältere Einwohner „stehen kurz vor dem Nervenkollaps“, berichtete Bodo Ladwig.

Für das Ortsoberhaupt des ostelbischen Dorfes, das international das Synonym der Hochwasserkatastrophe von 2013 ist, sei „völlig unverständlich“, warum im Juni vor zwei Jahren evakuierte Familien nun zum Zurückzahlen der Soforthilfen verdonnert würden, sofern sie elementarversichert seien. „Die 400 Euro bekamen Leute, die zwei Wochen nicht zuhause waren. Die brauchten das Geld, um sich Zahnbürsten und ähnliches zu kaufen“, kritisierte Ladwig.

Auch im Elbe-Havel-Land sei die Bevölkerung „psychisch angeknackst“, forderte Verbandsgemeinde-Chef Bernd Witt weitere Hilfe durch soziale Dienstleister. Während in Fischbeck private Schäden „im oberen zweistelligen Millionenbereich“ entschädigt worden seien und Versprechen laut Ladwig „in der Regel gut eingehalten“ wurden, sind in Witts Verantwortungsbereich erst etwa zehn Prozent aller Schäden über rund 86 Millionen Euro abgearbeitet worden.

Der Schadensabbau staut sich am östlichen Ufer der Elbe besonders wegen Personalmangels im „kleinen Bauamt“, fordert Witt Unterstützung durch Fachkräfte. „Wir haben Bewilligungen für über 50 Prozent der Schäden, schaffen es aber nicht, das alles abzuarbeiten.“ Und: „Die Schadenslage ist noch nicht zu Ende, denn wir haben zunehmend Setzungsrisse“, berichtetete der Bürgermeister.

Am geplanten, insgesamt sieben Kilometer langen Deich bei Fischbeck, der bis zu 30 Millionen Euro kosten soll, rechnet Burkhard Henning mit einem „touristischen Nebeneffekt“. Überhaupt komme durch die Bauarbeiten an den Deichen auch kräftig Bewegung in den Untergrund, da Kampfmittel zu beseitigen und archäologische Grabungen Teil der Finanzierung seien. „Extreme können wir nicht nur durch Deichhöhen kompensieren, denn wir sind Hochwasser-Transitland“, erklärte der Chef des Landesbetriebes für Hochwasserschutz.

29 Wohnhäuser mussten kreisweit wegen Flutschäden abgerissen werden. Neuestes EU-Recht könnte das Bauen der Schutzdämme massiv behindern, weil Deiche neuerdings als Grenzen von Naturschutzzonen (FFH-Gebiete) gelten. „Das kann zu Verzögerungen bei der Sanierung führen“, bat Stendals Landrat Minister Hermann Onko Aeikens um Hilfe.

Von Antje Mahrhold

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