Stendaler islamische Gemeinde wächst / Syrer berichten von vielen Todesfällen durch Assad

Die ersten Sätze in Sicherheit

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Die neuen Bewohner Stendals lernen die deutsche Sprache: Einblick in die Notizen beim montagnachmittäglichen Kurs.

Stendal. In allen ihren Familien gab es Tote. Mohamed Msaik, der Vorsitzende der islamischen Gemeinde Stendal, fragt nochmals in die Runde. Alle nicken. Assads Fassbomben haben Eltern, Tanten, Cousins und Geschwister zerrissen.

Einer der 17 Syrer erzählt kurz, dass es bei ihm sechs Familienmitglieder waren. Ein junger, schlanker Mann, der beim Erzählen seine fröhliche Gelassenheit einbüßt, die Hände werden fahrig, er weiß nicht wohin mit ihnen und verzieht das Gesicht, weint aber nicht.

Mohamed Msaik unterrichtet geflüchtete Syrer: Er selbst spricht die Sprache nicht perfekt, aber die Masse der Flüchtlinge erfordert jede Hilfe.

Es ist Deutschkurs bei Msaik. Der Vorsitzende selbst spricht die Sprache nicht perfekt, aber die Gemeinde muss sich gerade irgendwie selbst helfen. Vor zwei Jahren, erzählt ein Gemeindemitglied, waren hier vielleicht 200, 300 Muslime. Jetzt sind es sicher mehr als 1200, schätzt er. Tendenz: explosiv steigend. Nach neuesten Zahlen des Landkreises sind derzeit 1064 Asylbewerber im Landkreis untergebracht, eine große Anzahl von ihnen Muslime. Die Gemeinde von Mohamed Msaik wächst also. Und die kleine Moschee platzt aus allen Nähten.

Auf 150 Quadratmetern an der Friedrich-Ebert-Straße treffen sich am Freitag die Muslime. Der Raum ist mit blauem Teppich ausgelegt, eine Wand praktischerweise direkt nach Südosten ausgerichtet, gen Mekka. Hier finden Sprachkurse statt, aber hier leitet auch der örtliche Imam, Farag Abdel Salam, seine Gemeinde in religiösen Dingen. Am Freitag haben sich auf 150 Quadratmetern etwa 160 Menschen zusammengequetscht. Ein Gemeindemitglied rekapituliert: Vier Marokkaner, 20 aus dem Balkan, zwei Palästinenser, zehn Tschetschenen, fünf Lybier, sechs Ägypter. Der Rest: Syrer.

Imam Farag Abdel Salam dankt im Namen der Gemeinde für die Gastfreundschaft. Man müsse einander respektieren, sagt er.

Farag Abdel Salam hat vor ihnen gepredigt und darüber gelehrt, was ihr Prophet Mohammed vorschreibt und was nicht. Ein Teil der Predigt war auch, dass man die anderen Religionen zu respektieren habe. Nach dem Gebet dankt er den Deutschen: „Wir finden hier Sicherheit und wurden herzlich begrüßt.“ Letzen Endes, sagt er, „kommen wir alle von Adam und Eva“. [...]

Von Kai Hasse

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