Gesellschaft zum Schutz der Wölfe fordert mehr Nachdruck bei der Aufklärung

Erschossener Wolf: Interessenkonflikt bei der Polizei?

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Peter Schmiedchen beobachtet seit Jahren das Wolfsvorkommen.

Dolle. Prof. Peter Schmiedchen erhofft sich von der am Sonntag ausgestrahlten Fernsehsendung „Kripo Live“ Hinweise auf den Täter, der Anfang August zwischen Klietz und Scharlibbe einen Wolf erschossen hat.

Für sachdienliche Tipps hat die „Gesellschaft zum Schutz der Wölfe“ um den Dollenser Schmiedchen 2000 Euro Belohnung ausgesetzt. Eine weitere Belohnung von 1000 Euro stiftete die Tierschutzorganisation „Peta“.

Der Kadaver des Tieres am Elbufer.

Wölfe sind in Deutschland streng geschützt. Schmiedchen geht von einer vorsätzlichen Tat durch den Besitzer einer Jagdwaffe aus. Er hofft, dass sich auch alle Jäger von dieser Tat distanzieren und ihren Beitrag zur Aufklärung leisten. Die Polizei nimmt er in die Pflicht, die Ermittlungen ernsthaft und zügig zu führen. „Warum werden zum Beispiel nicht alle Jagdwaffen in der Region überprüft?“, fragt Schmiedchen.

Ähnliche Vorfälle seien selten, kommen aber immer wieder vor. In den zurückliegenden 15 Jahren seien in Deutschland 20 Wölfe vorsätzlich getötet worden, so Schmiedchen. „In keinem Fall wurde der Täter ermittelt“, ärgert er sich. So liefen auch die Ermittlungen im Fall des Ende 2015 bei Loburg (Jerichower Land) erschossenen Tieres bisher ins Leere.

Die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe fordert mehr Nachdruck bei der Aufklärung und hat sich mit einem Schreiben an die Stendaler Staatsanwaltschaft gewandt. Darin teilt Schmiedchen mit, dass der im Jerichower Land ermittelnde Polizist selbst Jäger sei. Ein Interessenkonflikt wäre somit nicht auszuschließen.

Staatsanwaltschaft-Sprecher Thomas Kramer wird bei dieser Vermutung gallig: „Das sind Bauchgeschichten. So muss man nicht ernsthaft diskutieren“, sagt er. Er habe keinen Zweifel daran, dass die Polizei neutral ermittelt. Und weidmännische Fachkunde schade dabei nicht. „Woraus ergibt sich dieses Misstrauen?“, fragt er. Wenn ein Tierschützer tatsächliche Hinweise geben könnte, die weiterhelfen – und nicht Mutmaßungen – sei die Staatsanwaltschaft „mehr als dankbar“, sagt Kramer. „Natürlich bleibt es Herrn Schmiedtchen unbenommen, eine Dienstaufsichtsbeschwerde zu stellen.“

Von Christian Wohlt und Kai Hasse

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