Unternehmer aus NRW benötigt noch ein Dokument / Gespräche mit der Stadt anvisiert

Endspurt im Ringen um Raks-Blöcke

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Die bei bestem Sommerwetter blühenden Bäume und Sträucher vor den Blöcken der Raks-AG sorgen für eine fast schon idyllische Stimmung in Stendal Süd. Doch hinter den Kulissen geht das Gerangel um die Besitzverhältnisse weiter.

Stendal. Die Gehwege und Parkplätze sind mittlerweile mit Unkraut zugewuchert, die Wohnungen stehen zum Teil seit zwei Jahren leer. Und obwohl ein Besucher meinen könnte, Zeuge eines langsamen Verfalls der Plattenbauten zu sein, tut sich hinter den Kulissen etwas.

Unternehmer Otto Faßbender hatte bereits im Februar angekündigt, in Süd eine Perspektive schaffen zu wollen (AZ berichtete). Seinerzeit fehlten Faßbender noch wichtige Dokumente, diese hat er jetzt. Doch eine große Hürde muss der nordrhein-westfälische Unternehmer noch meistern, bevor es in die Verkaufsverhandlungen geht: Er benötigt eine Genehmigung aus dem fernen Aserbaidschan.

250 Wohnungen, unter anderem für Flüchtlinge, Senioren, Studenten und Alleinlebende, will Faßbender, der für die am Niederrhein ansässige Stabac GmbH tätig ist, in den Blöcken der Raks-AG schaffen. Bislang fehlten die Unterschriften zweier türkischer Damen. Die Frauen gehören zu einer Erbengemeinschaft eines der verstorbenen Besitzer. „Die zwei türkischen Frauen haben dem Grundbuchamt ihren Erbschein in Original und Übersetzung zur Verfügung gestellt“, so Faßbender im AZ-Gespräch. Damit ist ein wesentlicher Aspekt der bislang ungeklärten Besitzverhältnisse bereinigt. Denn obwohl die Raks-AG die Blöcke gekauft hat, steht das Unternehmen mit Firmensitz in der Türkei nicht im Grundbuch.

„Jetzt brauchen wir noch Genehmigungsunterlagen“, so Faßbender, „wir hatten schon eine entsprechende Genehmigung, die wir auch einem Notar vorgelegt haben.“ Das Problem sei jedoch, dass eben jene Genehmigung nur gegenüber einem Notar rechtliche Relevanz habe. „Für das Grundbuchamt reicht diese Genehmigung aber nicht aus.“ Das Originaldokument des mittlerweile verstorbenen Besitzers müsse jedoch aus Aserbaidschan herangeschafft werden. „Und das kann natürlich eine gewisse Zeit dauern“, sagt der Unternehmer.

Auch der Kontakt in die Türkei sei in der letzten Zeit etwas eingeschlafen. Durch die Unruhen in dem Land gebe es schon seit etwa 14 Tagen keinen Kontakt mehr mit der Erbengemeinschaft. „Sobald das Dokument aus Aserbaidschan eingetroffen ist, werden wir in den kommenden Wochen mithilfe einer Dolmetscherin alles Weitere klären“, hofft Faßbender auf ein rasches Ende der Verhandlungen. Die gesamten Unterlagen über die Blöcke in Süd würden bereits acht Ordner füllen. „Wenn wir das rund haben, können wir erste Gespräche mit der Stadt Stendal führen.“

Aufgrund von Schulden der Raks-AG in sechsstelliger Höhe bei den Stadtwerken wurden in den Blöcken seit 2014 Heizung und Trinkwasser abgestellt.

Von Mike Höpfner

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