Stadtwerke wegen Wirtschaftlichkeit derzeit skeptisch

Elektro-Tankstelle (noch) nicht im Plan

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Die meisten Elektro-Autos haben noch eine sehr geringe Reichweite, bis sie für längere Zeit aufgeladen werden müssen.

Stendal. Ein weißer Fleck – das ist der Raum Stendal für Elektroauto-Fahrer. Die Reichweite ihrer Autos ist – noch – schmerzhaft begrenzt, und zwischen Salzwedel und Magdeburg ist der Akku schnell leer.

Und das kann noch eine Weile so bleiben, denn beispielsweise für die Stadtwerke Stendal fehlen noch konkrete Voraussetzungen, um sich wirklich daran zu machen, eine Elektro-Tankstelle einzurichten.

Bundesweit durchdenken derzeit lokale Energieversorger – also Stadtwerke – das Einrichten der Tankstellen für Elektroautos. Mögliche Kunden haken da mal nach, wie jetzt Sylvia Gohsrich, Stadträtin Stendals, die halb als Privatperson, halb als Politikerin bei den Stadtwerken fragte, wie weit die Planungen in der Rolandstadt gediehen sind. Die AZ wollte es auch wissen.

Die Antwort von Rolf Gille, Sprecher der Stadtwerke, ist leicht hoffnungsvoll – mit einem großen „Aber“. Man plane, mittelfristig eine Stromtankstelle in Stendal einzurichten. „Es gibt da verschiedene Ansätze, die noch nicht spruchreif sind“, sagte er auf Nachfrage zumindest mit Blick auf einige Gespräche und Überlegungen. Das „Aber“: „Es ist eine Sache, die sich derzeit noch sehr schwer rechnet“, erklärte er. Damit meint er die mangelnde Nachfrage nach der Mobilität aus der Steckdose. Nur wenige Menschen fahren ein Elektroauto, speziell auf dem Land.

So bleibe fraglich, ob eine Elektro-Tankstelle überhaupt angenommen werden würde – und die Stadtwerke sind mehrheitlich ein Privatunternehmen, das den Gesetzen von Angebot, Nachfrage, Preis und Umsatz folgt. Wenn kaum wer tankt, gibt es kaum Geld, und die Tankstelle wäre ein Minusgeschäft.

Fragen, die bei den Stadtwerken geklärt werden müssten, wären laut Gille beispielsweise, wie die Tankstelle bewirtschaftet werden könnte, welche Ladesysteme es braucht, auf wessen Grund gebaut würde oder Versicherungsfragen. „Es kostet so einiges, eine solche Ladestelle einzurichten.“

Für die Stadt selbst, die 25,1 Prozent der Stadtwerke besitzt, ist das Einrichten einer Elektroauto-Tankstelle keine Frage. Man werde sich aus dem wirtschaftlichen Geflecht aus Autoherstellern und Stromversorgern heraushalten, macht Stadtsprecher Klaus Ortmann klar. Es ist auch keine Pflichtaufgabe der Verwaltung. Erst wenn sich der Markt für Elektroautos entwickelt habe – sprich: mehr als ein paar wenige E-Autos in Stendal fahren – könne sich das ändern.

Von Kai Hasse

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