Seehausen rückt den Jubilar recht vorsichtig ins Rampenlicht – Touristen sollen dennoch kommen

Eine Stadt sucht ihren Winckelmann

+
Jürgen Schmidt zeichnete in Berlin Winckelmanns Wirken in Seehausen nach. Ein Denkmal erinnert in Stendal an den bedeutenden Forscher. Neben einem Gymnasium in Stendal trägt auch die Seehäuser Gemeinschaftsschule seinen Namen.

Seehausen. „Wir würden uns über den einen oder anderen Touristen mehr natürlich sehr freuen. “ Stendals großer Sohn, der Altertumsforscher Johann Joachim Winckelmann, hat auch in Seehausen seine Spuren hinterlassen.

Ob das jeder Altmärker weiß, kann Ingrid Jabke, die Leiterin der Touristeninformation, zwar nicht beschwören, aber zumindest für die Menschen in der Wischestadt wohlwollend annehmen. Inwieweit das Doppeljubiläum 2017/18 zusätzliche Reisegruppen in die Wischestadt lockt, bleibe abzuwarten. „Wir sind realistisch, es wird vor allem die Kreisstadt und das Winckelmann-Museum sein, die davon profitieren. Aber wer weiß, vielleicht bekommen wir ja auch etwas ab vom Kuchen“, meint Jabke gegenüber der AZ hoffnungsvoll.

2017 wäre der Stendaler Winckelmann 300 Jahre alt geworden, 2018 jährt sich sein Todestag zum 250. Mal. Er war unter anderem Hauslehrer bei der Familie von Grolmann in Osterburg sowie zwischen 1743 und 1748 Lehrer und Konrektor der Lateinschule in Seehausen. „Winckelmann spielt bei unseren Stadtführungen eine Rolle, aber keine entscheidende. Dafür reicht es einfach nicht“, erläutert die Chefin der Stadtinformation. Seehausen könne mit anderen Pfunden einfach überzeugender wuchern. Pfarrkirche Sankt Petri, Turmuhrenmuseum, Salzkirche, Beustertor, Stadtmauer, Rathaus, überhaupt die gesamte Backsteinarchitektur seien die wichtigen Magneten. „Erreichen die Stadtführer mit den Gästen die frühere Lateinschule, steht Winckelmann für einige Zeit im Mittelpunkt.“

Immerhin: Der Name des Begründers der klassischen Archäologie und der modernen Kunstgeschichte macht Schule, im gewissen Sinne. Die Erweiterte Oberschule (EOS) samt Internat trug den Namen des renommierten Forschers, nach der politischen Wende in der DDR führte ihn das Gymnasium, bis es vor einigen Jahren geschlossen wurde. Die Sekundarschule, inzwischen auch Gemeinschaftsschule, hat das Gebäude und inzwischen auch den Namen übernommen. Die Tradition lebt somit weiter.

Jabke erinnert sich noch recht gut an ihre Schulzeit in der DDR und an eine Büste, die im Treppenhaus der EOS gestanden habe. „Irgendwann war der Winckelmann aber verschwunden. Er soll Opfer eines Schülerstreiches geworden sein. Die Details sind im Dunkeln geblieben“, gibt sich die Ostaltmärkerin ein wenig geheimnisvoll. Amüsant sei der Verlust allerdings nicht. „Wir haben auch später noch einmal versucht, Winckelmann wiederzufinden, vergebens.“

Sonderlich reich an historischen Persönlichkeiten sei Seehausen nicht, meint Jabke, die auch für die Stadtbibliothek verantwortlich ist. Am ehesten treffe diese Bezeichnung womöglich noch auf Dr. Albert Steinert, den Ehrenbürger der Hansestadt, zu. Nicht zuletzt Dr. Walter Fiedler, ein Mediziner im Ruhestand und nun verstärkt Stadtführer, sei es zu verdanken, dass bei Einheimischen und Touristen weiter an den Arzt und Widerstandskämpfer erinnert werde.

Mit Winckelmann punkten konnten die Seehäuser im September 2014 in der Berliner „Möwe“, der Landesvertretung Sachsen-Anhalts beim Bund. Etwa 30 Wischestädter mit Bürgermeister Detlef Neumann an der Spitze warben damals schon mit Blick auf das Doppeljubiläum für ihre Heimat. Für das Fachliche war nicht zuletzt Jürgen Schmidt, Stadtführer und studierter Historiker aus Wittenberge, zuständig, indem er Winckelmanns Wirken in Seehausen in einem Einpersonenstück unterhaltsam darstellte.

Maximal zehn Touristenbusse erreichen jährlich die Wischestadt. Hinzu kommen etliche kleinere Gruppen. Dass da insgesamt durchaus noch Luft nach oben ist, haben Politik und Verwaltung erkannt und wollen touristisch zulegen. Seehausen taucht wie Osterburg im Konzept der Stendaler Winckelmann-Gesellschaft für 2017/18 und auch die Zeit danach auf (die AZ berichtete). Die Rede ist unter anderem von organisierten Abstechern in den Norden des Landkreises. Besonders in den nächsten zwei Jahren werden Tausende Winckelmannfreunde in der Kreisstadt Stendal erwartete.

Von Marco Hertzfeld

Kommentare