Chefin freut sich lieber aufs neue Jahr, Ozelot und Bauprojekte

Eine schöne Bescherung: 10 000 Besucher weniger im Zoo

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Ein Snack für zwischendurch: Eichhörnchen „Uschi“ lässt sich auf dem Arm von Tiergartenleiterin Anne-Katrin Schulze eine Haselnuss schmecken. In die freie Natur könne das Nagetier nicht zurück. Das einstige Findelkind sei einfach zu stark auf den Menschen fixiert.

Stendal. „Du bist eine treue Seele.“ Anne-Katrin Schulze muss das Eichhörnchen, welches sie einst selbst mit der Hand aufgezogen hat, nicht lange locken. Ruckzuck, und es sitzt auf der Schulter.

„Uschi“, wie Stendals Tiergartenleiterin ihren Schützling nennt, ist ein Liebling der Kinder. Doch auch dieser Springinsfeld kann an den Zahlen nichts ändern: In diesem Jahr haben gerade einmal etwa 62 000 Menschen die Einrichtung am Stadtsee besucht, 10 000 weniger als 2014. Eine schöne Bescherung. Auch wenn der Strich erst in einigen Tagen gezogen wird und Schulze noch nicht großartig hochrechnen möchte, dürften am Ende doch so um die 20 000 Euro in der Kasse fehlen. „Es war einfach kein Tiergartensommer, es war sehr lange sehr warm. Die Leute sind lieber baden gefahren“, sucht sie nach einer ersten Erklärung.

Den Kopf in den Sand zu stecken, sei nicht ihre Sache. „Warum auch?! Der Tiergarten hat sich in den letzten Jahren richtig gut entwickelt.“ Die Besucher kämen nicht zuletzt wegen der Raubkatzen. Und da möchte Schulze auch weiterhin einen Schwerpunkt setzen. Ab März soll es wieder zwei südamerikanische Ozelots geben, das alte Männchen ist verstorben. „Diese Tiere sind in Zoos recht selten zu sehen.“ Jeweils zwei afrikanische Servale, Wildkatzen, Nordluchse und Sibirische Tiger sind ebenfalls große Besuchermagnete. Eine Tigerin starb dieses Jahr. „Auch da bleiben wir bei zwei Exemplaren. Wir züchten ja eh nicht. Auch wenn wir hinsichtlich der Reinrassigkeit auf der Skala von eins bis zehn eine Acht haben“, erklärt Schulze gegenüber der AZ nicht ohne Stolz.

Ordentlich Bewegung hat es bei den Totenkopfäffchen aus Mittel- und Südamerika gegeben. Zwei Jungtiere mussten ausziehen. Ein Männchen aus dem Bergzoo Halle kam neu hinzu. Nun toben vier dieser Primaten durchs Gehege. Bei den Schnee-Eulen hat es ebenfalls einen Zuzug gegeben, drei Vögel sitzen jetzt in der Voliere. Ansonsten sei der Bestand relativ unverändert geblieben, das werde auch 2016 nicht anders sein. Momentan leben 350 Tiere und mehr als 50 Arten in der städtischen Einrichtung. „Da sind aber auch wirklich selbst die Mäuse mitgezählt.“

Baulich sei der Tiergarten vernünftig aufgestellt. Dennoch bleibe natürlich immer etwas zu tun. Die Arbeiten an der Meerschweinchenanlage gehen auf die Zielgerade, 2016 wird sie übergeben. Das Gehege der Nordluchse soll im nächsten Jahr mit der Unterstützung des Fördervereins modernisiert und erweitert werden. „Zudem wollen wir den Spielplatz weiter aufpeppen, gerade für die Ein- bis Dreijährigen. Der Kiosk im Tiergarten sollte rasch erneuert sein. Schulze optimistisch: „Das geht alles seinen Gang.“

Von Marco Hertzfeld

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