Geschäftsinhaberin bemängelt: Kaum Zeit zum Reagieren

„Durchhalten“ am Stendaler Kreisverkehr

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Sanierung geht voran: Der Kreisverkehr am Uenglinger Tor ist zum größten Teil abgetragen.

Stendal. Der Konjunktiv bestimmt in diesem Jahr das Geschäftsleben von Ramona Borchert. Hätte es die Chance gegeben, hätte sie gern mehr Zeit gehabt – Zeit zum Reagieren.

Die Inhaberin eines Blumenladens öffnete ihr Geschäft auf der Ecke Scharnhorst- und Uenglinger Straße, direkt am Kreisel am 16. März. Sie machte sich damit selbstständig. „Das hätte ich auch so durchgezogen, wenn ich bereits damals von der Großbaustelle gewusst hätte“, sagte sie gegenüber der AZ. Nur hätte sie wohl das erste halbe Jahr bis zur Freigabe der Straße ohne zusätzliche Lohnkosten kalkuliert und allein die Kunden bedient. Denn ohne direkte Zufahrt zum Geschäft fehle ihr die Laufkundschaft, jene, die beim Vorbeifahren kurz auf den Parkplatz fahren, kaufen und den Weg fortsetzen.

Aus der Presse, eine Woche vor Baubeginn hatte Borchert von der innerstädtischen Straßensanierung erfahren. „Bei der Anwohnerversammlung hat man klein beigegeben und das Versäumnis zugegeben, nicht informiert zu haben.“

Sie sei zwar nur Laie, Gespräche mit anderen Anliegern ließen jedoch die Frage zu, warum ein Presslufthammer nötig war, um die angeblich losen Steine des Kreisverkehrs zu lockern. Für ihr Geschäft bedeutet die Baustelle ein „Durchhalten“. Und: Dass Borchert sich mit Zulieferern auf Parkplätzen treffen muss, um dort frische Blumen in Empfang zu nehmen. „Lkw könnten rückwärts in die Scharnhorststraße bis zum Kreisel fahren, brauchen dann aber einen Einweiser“, beschreibt Borchert die Situation. Hätte sie dies alles früher gewusst, dann hätte sie ihre Geschäftszeiten angepasst und Urlaub gemacht.

In der nahen Petrikirchstraße hat Ronald Neumann geschäftlich keine Auswirkungen bemerkt. Und auch die zwei bis drei Lkw stören den Zweirad-Experten nicht, die sich am Tag rückwärts aus der Sackgasse steuern müssen. „Aber die vielen Pkw-Fahrer, die nicht wissen, wie ein Sackgassenschild aussieht oder stur nach Navi fahren, die nerven.“ Und: Dass diese dann auf dem Rückweg – genervt von der Falschfahrt – mit „gefühlten 100-Sachen“ an der Petrikirchhofschule vorbeirasen, mache die Situation zudem gefährlich – auch, wenn aktuell noch Sommerferien sind.

Von Alexander Postolache

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