Kinder müssen am schmalen Durchgang am Markt an die Hand

Verständnis für Arbeiten: Durch Stendals hohle Gasse

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Große Baustelle am Stendaler Markt: Ein Wasserspiel soll kommen, Archäologen graben, und für Fußgänger bleibt nur ein schmaler Gang.

Stendal. Der Stendaler Marktplatz ist eine einzige Baustelle. Das Pflaster soll erneuert, ein Wasserspiel eingebaut und archäologische Funde sollen zutage geholt werden. Für Fußgänger ist da kaum Platz.

Manche Stendaler sehen das als notwendiges Übel, aber speziell für Kinder sei die Verkehrsführung schlecht, meinen sie auch.

Der Weg am Südwestende reicht nicht komplett durch.

Familie Bollfraß etwa kritisiert den schmalen Trampelpfad, der derzeit für Fußgänger übrig ist. Rico und Maria-Christin, die mit Amy (6) und Maximilian (2) unterwegs sind, würden sich mehr Platz wünschen. „Als der Weg noch durch die Mitte des Platzes ging, hatte man mehr Platz, um Kinder über die Straße zu bringen“, sagt sie. Derzeit endet der Pfad säumig mit den Straßen beidseits des Marktes: Wenn Kinder hier die Vorsicht vergessen, stehen sie schnell mitten auf der Straße. Das ärgert auch Christoph Koltermann: „Man muss das Kind immer an die Hand nehmen“, sagt er, denn die Straßen sind eng, und entlang des Bauzaunes ist sehr wenig Platz. Er führt derzeit seinen kleinen Neffen durch die Stadt. Aber er meint auch, dass der Umbau des Marktes die Bauphase wert sei – wenn es mehr sicheren Raum für Eltern mit Kind gäbe.

Schild-Füße behindern das Durchkommen beri Parkplätzen.

Derweil mühen sich alte Frauen mit Rollator zu dem Durchgang: „... durch diese hohle Gasse“, ärgert sich eine. Eine andere ältere Frau hebt ihren Rollator schwer über die Schild-Fundamente an der Marienkirchstraße. Sie stehen just dort, wo man sich durch die geparkten Autos schlängeln könnte. Es gibt auch versöhnliche Kommentare: „Es soll schön werden, dafür kann man das in Kauf nehmen“, meint Ingrid Habendorf, die mit dem Rad gut durchkommt. Aber sie sieht auch das Problem für Eltern mit Kindern: kein Raum vor und hinter der Durchführung, direkte Nachbarschaft zur Straße. Eine Hochzeitsgesellschaft um die frisch getrauten Sandra und Christian Jentzen feiert an einer kleinen freien Stelle am Markt, zwischen Baumaschinen, Zaun und Straße. Sie stört der Zustand aber nicht weiter. Ein Baumstamm wird mit großem Hallo zersägt, dann geht es eh weiter.

Kritisch ist aber auch Lothar Hoepfner aus Insel: „Verschandelt“ werde der Markt, was Steuergelder koste. Und die Übersichtlichkeit sei miserabel. Gerade erst habe er einer jungen Frau an der Ecke Birkenhagen den Weg zur Arztpraxis zeigen müssen – und der führte um den kompletten Markt herum, weil ein schmaler Gang an der Südwestseite der Baustelle nicht komplett bis zur Ecke Brüderstraße führt. Und Hinrich Byl, Tourist aus Potsdam, kritisiert, dass Touristen zwar an öffentlichen Stellen zu hören bekämen, der Marktplatz sei „dicht“, aber der Hinweis fehle, dass die Tourist-Info der Stadt zumindest durch den Trampelpfad zu erreichen ist.

Von Kai Hasse

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