Deutsch-Kurde soll seine Familie über Jahre tyrannisiert haben / Urteil in Stendal Mitte September

„Dass sich Striemen abzeichneten“

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Anwältin Antje Günther und ihr Mandant sprechen zum Auftakt des Verfahrens am Landgericht letzte Details durch.

Stendal. Mit gesenktem Kopf sitzt Ilhan C. im Saal 121 des Landgerichts Stendal und lässt sich bis ins Detail von einem Dolmetscher übersetzen, was er seiner Frau angetan haben soll.

Unter anderem ist die Rede von Tritten des Kurden ins Gesicht, von Schlägen mit einem großen Metalllöffel auf den Kopf, vom lebensgefährlichen Einsatz eines Haarglätters, häufigen Beleidigungen und Demütigungen. Übergriffe auf zwei Kinder der beiden soll es ebenfalls gegeben haben. Staatsanwalt Ulrich Roman spricht nicht zuletzt vom Auspeitschen mit einem Ledergürtel beziehungsweise einem Verlängerungskabel, „dass sich auf dem Körper Striemen abzeichneten“. Der mögliche Leidensweg, den das Gericht seit gestern zu bewerten hat, soll 2010 begonnen haben. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung in mehreren Fällen.

Die Frau hatte laut Staatsanwaltschaft regelmäßig den Arzt aufgesucht und dabei immer wieder von einem Treppensturz oder anderen Unfällen gesprochen. Mal musste eine Platzwunde am Auge behandelt werden, mal Prellungen, mal eine Brandwunde. Im Frühjahr 2014 habe sie das erste Mal gegenüber einem Mediziner angegeben, sich mit ihrem Mann gestritten zu haben und dabei von ihm verletzt worden zu sein. Der 47-Jährige ist Kurde, stammt ursprünglich aus der Türkei, lebt seit mehr als zehn Jahren mit seiner Familie in Stendal und spricht passabel Deutsch. Das Paar ist inzwischen geschieden.

Richter Ulrich Galler will am Freitag erste Zeugen hören. Insgesamt sind fünf Verhandlungstage in dem Verfahren gegen den Deutsch-Kurden angesetzt. Das Urteil im Landgericht könnte bereits Mitte des Monats gefällt werden.

Von Marco Hertzfeld

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