„Das war ein richtig guter Zug“

Nach selbstloser Tat eines 17-Jährigen: Besitzerin der 2000 Euro ermittelt

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Wer fremdes Eigentum findet und es einfach behält, muss mit einer Strafanzeige rechnen. „Das ist eine Unterschlagung“, so die Sprecherin der Bundespolizei in Magdeburg.

Stendal. „Das ist schon eine größere Summe. Daher war das ein richtig guter Zug des jungen Mannes“, sagt Chris Kurpiers, Sprecherin der Bundespolizeiinspektion Magdeburg, über einen Stendaler, der am Ende vergangener Woche 2000 Euro an einem Magedeburger Bankautomaten fand und das Geld prompt der Polizei übergab (AZ berichtete).

Der ehrliche Finder ist ein 17-Jähriger, der zunächst versucht habe, die Besitzerin selbst ausfindig zu machen. Dies gelang ihm nicht. Außerdem sei die zugehörige Bankfiliale bereits geschlossen gewesen. „Wir waren durchaus überrascht von der Aktion, weil wir oft Kunden haben, die so etwas nicht abgeben würden“, so Kurpiers.

Wer einmal selbst in solch eine Situation gerät und mit dem Gedanken spielt, das Geld einfach mitzunehmen, den warnt Kurpiers vor den rechtlichen Konsequenzen. „Das ist eine Straftat. Generell ist das eine Unterschlagung.“, so die Polizeisprecherin im AZ-Gespräch. Dies ziehe eine Strafanzeige nach sich. Das Strafgesetzbuch sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder zumindest eine Geldstrafe vor, wenn der Finder seinen Fund behält und überführt wird. Allein der Versuch ist laut Strafgesetzbuch strafbar. „Wenn die betreffende Person sich bis dahin nichts hat zuschulden kommen lassen, wird bei einer Verhandlung wohl nicht viel herauskommen“, so Kurpiers, „im schlimmsten Fall eine Bewährungsstrafe. Allerdings könne der Besitzer zivilrechtliche Schritte gegen den unehrlichen Finder einzuleiten.

Hätte der 17-Jährige das Geld aus dem Automaten einfach an sich genommen, wären die Ermittlungen der Polizei aufwändiger. „Dann hätte sich die Bank erstmal an die Polizei wenden müssen. Und wir hätten eine Absprache mit der Staatsanwaltschaft treffen müssen, bevor wir eventuelle Bilder der Überwachungskamera veröffentlichen können“, so Kurpiers. Wird eine Fundsache bei der Polizei abgegeben, muss erstmal ein Besitzer gefunden werden. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) schreibt in diesem Fall vor: „Mit dem Ablauf von sechs Monaten nach der Anzeige des Fundes bei der zuständigen Behörde erwirbt der Finder das Eigentum an der Sache“, wenn sich kein Besitzer findet.

Das alles ist in diesem Fall nicht notwendig. „Die ersten Ermittlungen haben gefruchtet“, berichtet die Beamtin. Die Bundespolizei habe direkt Kontakt mit der Bank aufgenommen. „Wir haben die Kameraaufnahmen ausgewertet und so die Besitzerin gefunden, eine ältere Dame.“ Diese kann sich mit einem Finderlohn bei dem jungen Mann revanchieren, muss dies laut dem BGB aber nicht. Für 500 Euro bekäme der Finder fünf Prozent, also 25 Euro. Für alles darüber, kann der 17-Jährige noch einmal drei Prozent einfordern. Alles in allem wären das 70 Euro Finderlohn, mit dem die Ehrlichkeit des Finders möglicherweise belohnt werden kann.

Von Mike Höpfner

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