Traditionskult bleibt in der Familie: Enkel führt Martin Rieps Amt weiter

Chef der Mai-Birken steht vor letzter Amtshandlung

Sophie Reichert spielte auf der Querflöte passende Weisen, als das Altmarkdorf Rochau für seinen obersten Maibaum-Organisator applaudierte. Enkel David Riep übernimmt den Posten. Fotos: privat

Rochau. Martin Riep hat dafür gesorgt, dass das Altmarkdorf Rochau während der turbulenten Wendezeit nur ein einziges Jahr ohne eigene Mai-Birke in den Wonnemonat gestartet ist. Der 64-Jährige blickt nun auf eine mehr als 40-jährige Maibaum-Karriere zurück.

Beim jüngsten Birken-Termin an der Straße des Friedens aber verkündete Riep, was das halbe Dorf schon längst geahnt hat.

„Es ist mein letztes Mal, dass ich den Maibaum aufstelle“, sagte der 64-Jährige und erntete jede Menge Beifall. Die Bewohnerschaft trug es sichtlich mit Fassung. Auch Bürgermeister Uwe Großpietsch stand bereit, um den Rochauer Baum-Aktivisten mit einer Aufmerksamkeit im Namen der Gemeinde zu beschenken. Zum Greifen nah hatte da auch schon Rieps Enkel Stellung bezogen.

David Riep trug einen gewichtigen Präsentkorb herbei, den der 22-Jährige im Auftrag der diesjährigen „Baumholer“ und der Aktiven des Feuerwehr-Fördervereins an seinen Großvater überreichte. „Ich übergebe mein Amt in die Hände meines Enkels“, erklärte der 64-Jährige vor vielen Zeugen. Wohl auch um den neuen Rochauer Maibaum-Verantwortlichen „unter Druck“ zu setzen, wurde an Ort und Stelle gleich das Datum des nächsten Birkentermins genannt. Am Samstag, 30. April, 2015, wird es so weit sein, dass Rieps Enkel sich bewähren muss – als neuer Baum-Chef.

Ein großer Auftritt seines Großvaters steht aber noch bevor. Am Himmelfahrtsdonnerstag, 14. Mai, wird sich Feuerwehr-Veteran Martin Riep beim Tag der offenen Tür der Rochauer Freiwilligentruppe um das für das Gelingen der Aktion nicht gerade unbedeutsame Schwein am Spieß kümmern. Los geht es am Gerätehaus um 10 Uhr. „Das wird meine letzte Amtshandlung“, erklärte der 64-Jährige und Sophie Reichert ließ ihre Querflöte klingen. Dazu führte Martin Riep seine Eva-Maria zum Tanz um den Maibaum. Das sei schließlich gut für die Fruchtbarkeit, hatte er selbst kurz zuvor erklärt.

Von Antje Mahrhold

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