Geografie-Exkursion beweist: Landesanstalt ist ein interessanter Ort für die Jugend

Bei Carlottas Erbinnen zu Gast

Was Kälbchen schmeckt, beschnuppert Paul Schrank mit allem Respekt. Gabriele Franke hält dem Gymnasiasten aus Seehausen das weiße Pulver unter die Nase. Die „Kinderstube“ des LLFG ist rein weiblich besetzt. In Iden geborene Kälberbullen werden verkauft.

Iden/Osterburg. „Es hat sich gerade erschrocken“, zeigt Gabriele Franke auf ein zweiwöchiges Kälbermädchen mit neugierigem Blick.

„Achtet auf das Ohrenspiel“, rät die Milchvieh-Expertin der ersten von vier Zehntklässler-Gruppen des Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasiums (MAG). Die etwa 50 jungen Leute radelten frühmorgens nach Iden, um eine besonders lehrreiche Geografie-Exkursion in der Landesanstalt für Landwirtschaft, Gartenbau und Forsten (LLFG) zu erleben. Ermöglicht wurde dieser Ausflug von ihren Lehrern, von Helfern des LLFG und dem MAG-Freundeskreis, berichtet Dezernatsleiter Dr. Manfred Weber.

Derweil führt Franke ihre Zuhörer durch eine Idylle porentief reiner Neugeborener. Die Babystube ist rein weiblich besetzt und mit weißen Iglus ausgestattet. Sogar Nuckeleimerhalter gibt es und überhaupt sind Kälberiglus dank glasfaserverstärktem Kunststoff der neueste Schrei in der Zuchtszene. Getränkt wird dreimal täglich. Bis zum Umzug in den „Kindergarten“ nebenan wachsen die Jungtiere in Einzelboxen heran, um fit zu werden für die Leistungsgesellschaft. Schließlich ziemt es sich für den Idener Kuh-Nachwuchs, der Super-Kuh Carlotta nachzueifern, die mit ihrer Kollegin Bressi derzeit die Lebensleistungshitliste der LLFG anführt. Daran allerdings dürften sicher aber auch die Super-Väter Starleader und Skywalker ihren Anteil haben.

Überhaupt scheint es den Kühen auf dem einstigen Rittergut bestens zu ergehen, wie ein Besuch der Biesestadt-Gymnasiasten in der Altersabteilung der Milchviehanlage beweist. Dort wiederkäut gerade Kuh Annegret gemählich im Kreise „etlicher alter Damen“, wie Franke scherzt. Die Schwarzbunte sei 1999 geboren worden und „damit genau so alt“, wie die jungen Leute auf der anderen Seite des Fressgitters.

Gut 1000 Meter Luftlinie vom Kuhstall entfernt, interessiert Dr. Bärbel Greiner die Jugend für den Untergrund. Sie ordnet an, mittels Schippe eine „grobschollige Probe“ aus dem eigens vorbereiten Loch zu holen, damit die Zehntklässler mit eigenen Augen sehen, wie tonig der Wischeboden ist. Für den Blick ins Erdreich habe sich Greiners Kollege „furchtbar mit dem Bagger gequält, weil es so trocken ist“. Auch zum Bestimmen heimischer Pflanzen animiert die Grünland-Expertin ihre Zuhörer. Erkannt werden musste, ob die Gräser gerollt oder gefaltet sind, ob sie Blattöhrchen haben oder gar gezackelt sind. Des Rätsels Lösung war in diesem Fall ein Exemplar aus der Familie des Europäische Gelbklees – gar kein Problem für die Osterburger.

Von Antje Mahrhold

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