Braucht die Wische mehr Schutz?

Müssen wir alles, was schützenswert ist, auch wirklich gesetzlich unter Schutz stellen? Mit einem Status, mit Verboten, mit Einschränkungen?

Ist denn überhaupt zu erwarten, dass es künftig in der „Altmärkischen Wische“ schlimme Massentierhaltung geben wird und dass die Landschaft mit Windrädern nur so zugepflastert wird?

„Landwirtschaft ist auch Landkultur“, sagte Friedrich Schorlemmer, der bekannte Theologe und Bürgerrechtler, der ein Kind der Wische ist und in Werben aufwuchs, in dieser Woche. Der Wittenberger glaubt, dass die Bauern auch mit dem Landschaftsschutzstatus der Wische eine Existenzgrundlage haben bzw. hätten.

Wovor haben die Bauern eigentlich Angst? Noch sind mit dem Schutzstatus keine Nutzungseinschränkungen verbunden. Sie könnten aber nachträglich aufgelegt werden, befürchtet der Kreisbauernverband. Dennoch ist so ein Schutzstatus mit Verboten verknüpft. Es könnten keine Obstplantagen, keine Wildgatter, keine Gartenlauben angelegt werden. Die Bodeneigentümer in den Dörfern müssten Abstriche im Verkehrswert ihrer Flächen hinnehmen, listet der Bauernverband auf. Und er sagt, dass es ja bereits Einschränkungen gibt, denn in dem Landschaftsschutzgebiet sind bereits drei Fauna-Flora-Habitate (FFH) und ein Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Teile des Gebietes befinden sich im Biosphärenreservat „Mittelelbe“.

Wer nach der Unterschutzstellung aus Grün- etwa Ackerland machen möchte, braucht eine Erlaubnis. Auch, wer ein Hochsilo einrichten will, müsste sich eine Genehmigung holen. Diese Ausnahmen will der Landkreis Stendal in der umstrittenen und heftig diskutierten Erweiterung des Schutzgebietes festschreiben.

Dann ist da noch der touristische Aspekt. Die Werbener befürchten zum Beispiel, dass ohne Schutzstatus Windräder nur so aus dem Boden schießen und die schöne Landschaft verschandeln. Die Altmark sei grün, und wenn man damit werben will, sei der Schutzstatus nur richtig. Letztlich sprach sich der Stadtrat mit knapper Mehrheit dafür aus, auch wenn die recht enge Abgrenzung von Ortslagen zum erweiterten Schutzgebiet ein Kritikpunkt in der Diskussion war.

Ziel der geplanten Unterschutzstellung ist es, das charakteristische Landschaftsbild der Wische zu erhalten. Ja hat es denn irgendjemand in den zurückliegenden Jahren kaputt gemacht? Windräder und Tierhaltung in Massen sind ja nicht sofort und ohne weiteres möglich, nur wenn die Wische den Schutzstatus nicht hätte.

Alle Bedenken sind aber sicher berechtigt. Da einen Mittelweg zu finden, wird nicht möglich sein. Ja oder Nein, Entweder Oder. Mit der Wische ist es ähnlich wie mit Autobahnen. Sie zerstören Landschaften – ja. Aber in diesen Landschaften leben Menschen, die von A nach B wollen. Und in der Wische wirtschaften Bauern, die leben wollen. Und die ganz sicher verantwortungsbewusst mit ihrer „Altmärkischen Wische“ umgehen.

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturen

Kommentare