Notarzt zweifelt an Schilderung der Stiefmutter

Der Fall Emily F.: „Blaue Flecken waren auffällig“

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Die 20-jährige Katja B. soll ihr Stiefkind zu Tode geschüttelt haben. Kindsvater Patrick F. soll schon im Vorfeld von den Misshandlungen gewusst und diese toleriert haben.

Stendal / Bismark. „Schon auf der Fahrt ins Krankenhaus bestanden bei mir Zweifel. Die Verteilung der Blutergüsse war nicht auf Stürze zurückzuführen“, berichtet Notarzt M. (34), der Emily am 2. Februar auf dem Weg in das Johanniter-Krankenhaus untersucht hat.

Emily F. starb an den Folgen eines Hirnödems.

„Um 7.14 Uhr ging der Pieper. Als ich vor Ort ankam, lag Emily schon im Rettungswagen. Sie war bewusstlos, aber die blauen Flecken am Kopf waren auffällig“, erklärte der Notfallmediziner in seiner gestrigen Vernehmung am Stendaler Landgericht.

aus dem gericht

Emilys Stiefmutter Katja B., die das Kind zu Tode geschüttelt haben soll, habe sich ebenfalls im Rettungswagen befunden. „Die Ziehmutter war bei der Fahrt dabei“, sagte M., „ich habe sie auf die blauen Flecken angesprochen“. Diese seien teils Resultat von Stürzen, teils „mit Bauklötzen selbst verursacht“. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Ulrich Galler, ob er in seinem Beruf schon mit Kindesmisshandlung zutun gehabt hat, antwortete M.: „Ja schon, aber in dieser Form habe ich das noch nicht erlebt.“

Noch am selben Tag hat Kriminalhauptkommissar W. mit weiteren Beamten sowohl Katja B. als auch den Kindesvater Patrick F. in deren Bismarker Wohnung vernommen. „Ich war gegen 13 Uhr vor Ort“, sagte der 55-jährige Polizeibeamte in seiner Vernehmung, „die Wohnung hatte einen Kohleofen und war nicht in einem sauberen Zustand.“ Katja B. habe sich ein wenig geschämt, sie sei nicht mehr zum Aufräumen gekommen. „Da war auch ein Riesenhund in der Wohnung, den wir erst einmal woanders sicher unterbringen mussten“, berichtet W. weiter. Kindgerechte Nahrung sei in ausreichenden Mengen vorhanden gewesen. „Ich habe die Kollegen angewiesen, Fotos vom Kühlschrank und von Regalen in der Küche zu machen“, so der 55-Jährige. Neben Decken und anderen Dingen hätten die Beamten auch Fläschchen „mit geringen Mengen Restflüssigkeit“ sichergestellt.

Noch läuft auch die Fahndung nach der Zeugin S., die trotz gerichtlicher Ladung nicht zu ihrer Zeugenvernehmung erschien. Ihre Aussage wäre wichtig, weil sie Katja B. dabei beobachtet haben soll, wie sie Emily schlug. Dies soll sie vor Emilys Tod auch Patrick F. und einer anderen Zeugin gesagt haben. Richter Galler hat für den kommenden Termin am 17. August die Mutter der fehlenden Zeugin geladen. „Damit wir herausfinden, wo ihre Tochter geblieben ist“, begründet der Vorsitzende.

Von Mike Höpfner

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