Berufung eines 53-Jährigen scheitert am Landgericht

Betrug in neun Fällen: „Sie sind einfach nur kriminell“

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Der Beschuldigte mit seiner Verteidigerin Antje Günther vor Prozessbeginn am Stendaler Landgericht: Die Berufung des 53-Jährigen wurde letztlich als unbegründet verworfen. Es bleibt bei 18 Monaten Haft.

Stendal. „Es nutzt ja nichts. Sie sind nicht krank. Sie sind einfach nur kriminell. “ So lautet die eindeutige Einschätzung von Richter Gundolf Rüge in Bezug auf den 53-jährigen Angeklagten Berndt M.

Wegen Betrugs in neun Fällen musste sich der gebürtige Braunschweiger vor dem Landgericht verantworten. Mit dem Berufungsverfahren und dem Wunsch einer Therapie wollte der Angeklagte erreichen, dass das bereits gegen ihn vollstreckte Urteil zur Bewährung ausgesetzt wird. Sein Plan ging nicht auf, Rüge verwarf die Berufung als unbegründet. Nun muss M. für anderthalb Jahre ins Gefängnis.

Aus dem Gericht

„Der Angeklagte ist in erheblichem Umfang wegen Betrugs vorbestraft“, so der Vorsitzende Richter gleich zu Beginn der Verhandlung. Er bezog sich damit auf die 20 Einträge im Führungszeugnis des Angeklagten. Seit 1987 wurde M. immer wieder wegen Betrugs verurteilt – insgesamt 50 Straftaten. Im aktuellen Verfahren sind es neun Fälle. Sie sollen sich im Zeitraum von September 2014 bis Mai 2015 ereignet haben.

Unter falschem Namen ersteigerte M. Waren für insgesamt rund 800 Euro: historische Waschtischgriffe und -armaturen sowie luxuriöse Weihnachtsartikel. Bezahlt habe er die Artikel nie. Auch soll er Dinge über eine Marktplattform im Internet angeboten haben, die er gar nicht besaß. Unter anderem soll er ein und das gleiche Smartphone an drei verschiedene Bieter verkauft und das Geld erhalten haben. Auf Nachfrage von Staatsanwältin Birte Iliev räumte er ein, keinen Kontakt mit seinen Opfern gesucht zu haben, um sich zu entschuldigen oder ihnen Geld zurückzuzahlen.

Gundolf Rüge erinnerte an Termine in einem vergangenen Bewährungsverfahren, die der Beschuldigte „nur sehr schleppend“ wahrgenommen habe. „Sie sind doch ein gestandener Mann. Da reiße ich mich doch mal am Riemen und erfülle wenigstens die Bewährungsauflagen“, mahnte Rüge den Beschuldigten.

Gutachter Dr. Eberhard Heering verlas daraufhin ein Gutachten, welches dem Angeklagten weder Depressionen noch eine Persönlichkeits- oder bipolare Störung attestiert. „Er neigt zur Bagatellisierung und Rationalisierung“, so der Mediziner des Charité-Klinikums Berlin, „aber es gibt keine Anzeichen für eine Schuldminderung“. In ihren Schlussanträgen forderten M. und seine Verteidigerin Antje Günther noch einmal die Möglichkeit der Therapie als Chance zur Resozialisierung. „Ich war schon zweimal in Haft und das hat ja auch nicht geholfen“, so der 53-Jährige. Rüge ignorierte dieses Begehren. „Sie haben vom Amtsgericht sowieso schon eine deutlich zu milde Strafe erhalten“, fand der Vorsitzende Richter klare Worte. Dem Beschuldigten steht nun die Revision offen.

Von Mike Höpfner

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