Helmut Sasse trainiert junge Syrer in Iden / Fußballverrückter aus Rohrbeck beantragt Spielberechtigung für zehn Talente

„Beim Training wird deutsch gesprochen“

Trainer Helmut Sasse (l.) mit seinen Schützlingen. Dreimal die Woche wird sich in der Halle getroffen. Elf Syrer wurden von der Trainingsgruppe bestens aufgenommen. Foto: Gerber

Iden. Viel wird in diesen Tagen über Integration geredet – in Iden wird sie gelebt. Wie die AZ bereits berichtete, ist dort für die 30 Geflüchteten spontan gespendet worden. Auch haben sich ehemalige Deutschlehrer bereit erklärt, Sprachunterricht zu geben.

Es wurde gemeinsam gekocht und bei Kaffee oder Tee Zeit miteinander verbracht. Seit einigen Wochen wird nun auch gemeinsam Sport getrieben.

„Wir beginnen das Training mit einem einfachen Sport frei“ tönte es Donnerstagnachmittag durch die Sporthalle in Iden. Trainer Helmut Sasse lässt seine Schützlinge antreten und diese folgen diszipliniert seinen Anweisungen.

Fußballverrückt war der 58-jährige Rohrbecker schon als Kind. Der Altmärker ist in Osterburg auf der Bleiche groß geworden. Er konnte aber gar nicht so viel Fußball spielen, wie er wollte. Vor gut 20 Jahren zog Sasse in das Dorf Rohrbeck. Er trat in Iden dem Sportverein bei und setzte sich dafür ein, dass auch Rohrbeck seinen Fußballplatz behält.

Der Altmärker trainierte viel mit der Jugend. Der Nachwuchs musste erst aber viele Spiele verloren geben, bis der Durchbruch kam. Nicht im Punktspielbetrieb, aber auf vielen Turnieren holten die Rohrbecker die Pokale. Keine einfache Zeit, weil immer wieder gute Spieler wegzogen und neue herangeführt werden mussten.

Erst vor einigen Jahren setzte Sasse sich noch einmal auf die Schulbank und erwarb die C-Lizenz als Fußballtrainer. Und nun ist er sogar ein internationaler Trainer. Schon immer hat er Jugendliche angesprochen, Fußball zu spielen. Großen Zuspruch gab es nun auch von den jungen Syrern, die in Iden leben. Mohamed, Firas und Reinas Rasho konnte Sasse am Donnerstag als Erste auf dem Sporthallenparkett begrüßen.

Zehn bis elf Syrer sind es in der Regel, die unter ihm zusammen mit Idener Jugendlichen trainieren. Einige, berichtet Sasse der AZ, seien bereits sehr talentiert im Umgang mit dem runden Leder. So hat der Fußballtrainer Spielberechtigungen für zehn junge Talente beantragt, die nun den Sportverein Walsleben unterstützen sollen. Sasse ist auch Mitglied bei den Walslebenern und weiß um die personellen Schwierigkeiten, die den Verein plagen.

„Es macht Spaß und es bestärkt uns“, freut sich Sasse darüber, dass Jugendlichen gut miteinander auskommen. Im Training werde „generell deutsch gesprochen, betont der Trainer. Das helfe und dadurch machten die jungen Syrer bereits deutliche Sprachfortschritte. Die Mannschaften spielen stets gemischt, so erlebten alle ein schönes Miteinander.

Sasse ist stolz auf das, was gerade entstehe. Freuen würde er sich, wenn seine neuen Schützlinge in Iden blieben und es sie nicht in eine Großstadt zieht.

Von Jörg Gerber

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