Kreiselternrat kann kein Grundschul-Konzept der Stadt erkennen

Baumängel und Platznot: Woiteks Sorgenliste ellenlang

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Für den KER haben Schulen allen Grund sich zu melden.

Stendal. „Das Schulwesen ist wie ein Getriebe, doch irgendwas stimmt mit einzelnen Zahnrädern nicht. Sie greifen nicht ausreichend ineinander. “ Ray Woitek, der Vorsitzende des Kreiselternrates (KER), hält Stendals Politik und Verwaltung momentan für ziemlich kraft- und ratlos.

„Wir brauchen in der Tat ein großes gemeinsames Konzept für alle Grundschulen in Stendal – und das bitte nicht sonst wann, sondern schleunigst. Es läuft einiges aus dem Ruder. “ Lernorte geraten wegen scheinbar unerwartet steigender Schülerzahlen an ihre räumlichen Grenzen, andere kämpfen mit baulichen Mängeln, die eigentlich gar nicht sein dürften. Woitek will heute im Schulausschuss des Stadtrates Tacheles reden.

Die Grundschule Nord sollte nach ihrer Sanierung vor zwei, drei Jahren so etwas wie ein Vorzeigeobjekt in der Kernstadt sein. „Doch Pusteblume. Die Mängel- und Sorgenliste ist bereits ellenlang“, meint Woitek nach einem Treffen mit der Elternschaft. Wo genau überall der Schuh drückt, will er den Ämtern alsbald selbst sagen. Schon einmal so viel: „Dass sich neue Fußbodenbeläge bereits lösen, darf doch nicht sein. Bei der Bauabnahme scheint nicht genau hingeschaut worden zu sein. Zudem gibt es in der Aula und anderen prägnanten Stellen offenbar keinen Brandmelder, die ja eigentlich vorgeschrieben sind.“

Die Grundschule Petrikirchhof, ein altehrwürdiges Gebäude, habe unbestritten ihre Reize. Doch für das neue Lernjahr stehe die Bildungsstätte bei den Erstklässlern vor einer großen Herausforderung. Statt der noch im Oktober avisierten 38 Kinder sollen nun ab August 51 dort lernen. Einen solchen Ansturm dürfte die Schule schon lange nicht mehr erlebt haben. Drei Klassen und nicht, wie sonst dort üblich, allenfalls zwei sollen gebildet werden. Ob das Land die dafür zwingend nötige Lehrkraft genehmigt, steht in den Sternen. „Vermutlich läge die Zahl der Schüler bei zwei Klassen noch im Bereich des Erlaubten, doch diese Schule ist nun einmal vom Platz her sehr begrenzt.“ Die Stadt habe es vor einiger Zeit versäumt, ein benachbartes Haus zu kaufen. „Nun haben wir den Salat“, sagt Woitek, der dort vor gut sechs Jahren noch Vorsitzender von Elternrat und Förderverein war.

Auch aus anderen kommunalen Grundschulen höre er Klagen und wolle sich in den nächsten Tagen und Wochen noch einen genauen Überblick in Stendal verschaffen. Seit einem Jahr führt der Rolandstädter das Zepter im KER. „Wir haben uns neu sortiert, Aufgabengebiete abgesteckt und wollen etwas bewegen. In jedem Fall sind wir aber auf die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Elternschaft angewiesen.“ Weit oben auf der Agenda stehen die Hortplätze, die es offensichtlich derzeit in Stendal nicht in ausreichender Anzahl gebe. Woitek interessiert sich auch da für die Planspiele in der Verwaltung und die Betriebserlaubnis der Anbieter.

„Stadt, der Träger der Grundschulen, Landesschulamt, Landkreis – das alles sind Zahnräder im Lerngetriebe. Wir wünschen uns einen stärkeren Schulterschluss und mehr Transparenz, übrigens auch, wenn es um die Integration junger Flüchtlinge und deren Schulbesuch geht. Und natürlich müssen wir auch die Elternarbeit wieder intensivieren. Nur gemeinsam sind wir stark, das ist keine Floskel.“ Nähere Informationen zum KER finden sich im Internet unter www.landkreis-stendal.de. Wer den direkten Kontakt zum Vorsitzenden sucht, nutze Tel. 0172/3827130 oder ray.woitek@landeselternrat-lsa.de.

Der Schulausschuss des Stadtrates tagt heute, 14. Juni, im Vereinsgebäude des Leichtathletikvereins an der Osterburger Straße. Die auch für interessierte Bürger zugängliche Sitzung beginnt laut Vorsitzendem Peter Ludwig um 17 Uhr. Woitek hofft auf ein Rederecht.

Von Marco Hertzfeld

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