Alexander von Bismarck will Waffenhändler und Stasi stärker im Visier sehen

Barschels Schwager warnt: „Todesumstände ungeklärt“

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Uwe Barschel bei der spektakulären „Ehrenwort“-Pressekonferenz. Sein Anteil an der Verleumdungskampagne gegen den politischen Gegner stellte sich Jahre später als eher gering heraus.

Döbbelin. „Es ist auf keinen Fall ein Suizid gewesen, dafür war dieser Mann überhaupt nicht der Typ. “ Alexander von Bismarck glaubt unverändert daran, dass Uwe Barschel 1987 ermordet worden ist.

Der Schwager des früheren Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein kann über die Äußerungen des Hamburger Rechtsmediziners Werner Janssen in der Wochenzeitung „Die Zeit“ nur den Kopf schütteln. Der Döbbeliner sagt der AZ: „Es wurde damals und über die Jahre hinweg so viel vertuscht und falsch gemacht, für mich sind die Todesumstände weiter ungeklärt.“ Die Schwester des Ostaltmärkers, Freya Barschel, lebt nach wie vor in Mölln.

Von Bismarck schildert seinen Schwager als sehr ehrgeizig und enorm politisch orientiert. „Als Ministerpräsident war er natürlich bestimmten Machtspielen ausgesetzt, hat vielleicht mit Dingen zu tun gehabt, die ihm das Leben gekostet haben.“ Der Altmärker kann sich gut vorstellen, dass Barschel irgendein deutsches Waffengeschäft zum Verhängnis geworden ist. „Die Landeshauptstadt Kiel hat einen Hafen, und über diesen laufen viele Exporte ab.“ Vielleicht habe insbesondere der Iran etwas mit der ganzen Geschichte zu tun. Dass sich die islamische Republik und der Westen nun wieder anzunähern scheinen, könne durchaus eine Chance sein, in dieser Richtung nachzuforschen.

Womöglich habe auch die Staatssicherheit der DDR ihre Finger stärker als bekannt im Spiel gehabt. „Für mich ist auch diese Möglichkeit noch nicht vom Tisch.“ Laut von Bismarck sind Stasiakten verschwunden, die hätten Licht ins Dunkel bringen können. Der Christdemokrat wünscht sich für seine Schwester und die gesamte Familie, dass der Fall Barschel möglichst bald endgültig aufgeklärt sei. „Es gibt viele Fragezeichen, wir haben keine Gewissheit, leider.“

Barschel (CDU) war nach einem beim Landtagswahlkampf aufgekommenen Skandal zurückgetreten und wurde am 11. Oktober 1987 in der Badewanne eines Genfer Hotels tot aufgefunden. Die genauen Todesumstände sind umstritten.

Von Marco Hertzfeld

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