Studierende erfragen Stand der Dinge beim Umgang mit Menschen mit Behinderungen

„Barrieren im Kopf“ auf der Spur

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Sie wollen es genau wissen: Maria Schwibs, Tilman Alder, Aileen Piechocki, Tabea Bolle und Judith Zürcher (v.l.) fragen in Sozialverbänden, Unternehmen und Verwaltungen nach dem Stander der Barrierefreiheit.

Stendal. Ein Protesttag für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, und eine Fachtagung zum Thema Barrierefreiheit ist angekündigt: Der 23. November wird im Zeichen der Rechte für Behinderte stehen.

Noch können die Fragebögen der Gruppe eingehen.

Wie es um das Bewusstsein für Barrierefreiheit im Landkreis steht, versucht derzeit eine Gruppe Studierender der Hochschule Magdeburg/Stendal herauszufinden. Noch ist der Rücklauf einer Umfrage gering. Einen Zwischenstand gibt es aber: Das Bewusstsein für Barrieren fehlt oft. Abgesehen von zu wenig Rampen an Aufgängen gibt es vor allem immer noch eine „Barriere in den Köpfen“.

130 Umfragebögen haben die Studierenden an Unternehmen, Verwaltungen, Selbsthilfegruppen oder Sozialverbände geschickt. Mit konkreten Fragen: Was verstehen Sie unter Barrierefreiheit oder Inklusion? Welche Pläne gibt es, um Barrierefreiheit umzusetzen? Welchen Anlass sehen Sie, sich für Barrierefreiheit einzusetzen? Und welche Hindernisse gibt es?

Eines kristallisiert sich bisher heraus: Barrierefreiheit wird noch nicht so verstanden, wie sie ansetzen sollte: Schon beim Abbauen der Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen oder beim Interesse an ihrer Situation: „Man vermeidet den Dialog“, bemerkt etwa Aileen Piechoki, Mitglied der Gruppe – und das geschehe ausgerechnet da, wo man den Dialog suchen sollte, weil man wenig vom Anderen weiß. So blieben oft wichtige Punkte auf der Strecke. Beispielsweise der, dass zur Barrierefreiheit nicht nur Rampenbau oder elektrische Türen gehören, sondern auch „Leichte Sprache“ – damit auch Verwaltungsdeutsch von Menschen mit einer Lernschwäche verstanden wird. Judith Zürcher meint: „Wenn man Menschen mit Behinderungen eine Möglichkeit gibt, im Arbeitsalltag zu bestehen, können sie einen wertvollen Beitrag leisten.“ Noch hoffen die Studierenden auf mehr Antwortschreiben der Umfrage. Wer außerdem an der anonymisierten Umfrage teilnehmen will und somit der Forschungsgruppe helfen würde, kann sich an den Professor der Gruppe wenden, Matthias Morfeld, der unter matthias.morfeld@hs-magdeburg.de zu erreichen ist.

Morfeld übrigens wird auch bei der Fachtagung dabei sein, die am 23. November stattfindet. Sein Thema ist „Barrierefreiheit zu einer inklusiven Gesellschaft – Ist-Zustand und Ziel“. Weitere Redner sind Marcus Graubner, der Vorsitzende des Behindertenbeirates des Landkreises, und Landrat Carsten Wulfänger. Zudem gibt es eine Ausstellung über 100 Jahre Blindenführhund-Ausbildung. Das Programm dazu wurde gestern vorgestellt. Birgit Hartmann, die Behindertenbeauftragte des Kreises, beklagt bei der Vorstellung übrigens dieselben Mängel beim Umgang mit Behinderten wie die Studierenden: Vorurteile und Unsicherheit. „Eltern scheuen sich davor, ihr Kind in eine Klasse zu geben, in der ein Kind mit Behinderung ist“ – es lerne vermeintlich zu langsam. Und sie beklagt das mangelnde Bewusstsein im Alltag: Wir gucken nicht richtig hin!“

Von Kai Hasse

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