Altpfarrer Hahns DDR-Plakate erscheinen unter erneuerter Decke brandaktuell

Das Bajonett aufgepflanzt: Kalter Krieg kirchlich heiß

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Kirche in der Altmark und die große Politik: Ein gutes Dutzend Plakate zeugen vom Engagement in der Vorwendezeit.

Krüden. Soldaten marschieren, mit grimmigem Gesicht und das Bajonett aufgepflanzt. Ein Einzelner läuft samt Windrad lachend in die andere Richtung. „Frieden schaffen ohne Waffen“ steht auf einem Plakat, das Ulrich Hahn vor der politischen Wende angefertigt hat.

In der Kirche zu Krüden hängt gut ein Dutzend dieser geschichtsträchtigen Arbeiten. „Ich habe mich für Grafik interessiert, und so haben wir uns diese Dinge im wahrsten Sinne des Wortes selbst gebastelt“, so der frühere Pfarrer im AZ-Gespräch. Einige Symbole und Leitsätze sind allgemein bekannt, andere dürften eigenen Gedanken entstammen. Hahn erinnert sich nicht mehr an jedes Detail, vier Jahrzehnte hat er die Gemeinde im Norden des Landkreises geführt.

Bei all den blutigen Konflikten in der Welt scheinen die Themen der evangelischen Friedensdekaden realsozialistischer Zeit und weiterer Anlässe aktueller denn je und extra aufgehängt. „Das könnte man denken, in der Tat, aber nein. Sie sind aus einem simplen Grund zu sehen: Die Arbeiten lagen lange Zeit im Archiv. Und da die Krüdener Kirche an sich recht kahl ist, haben wir sie damit beleben wollen.“ Dieser Umstand mindere natürlich nicht die Kraft der Botschaften und den Willen des Betrachters, Bezüge zur Gegenwart herzustellen. Kalter Krieg und atomare Bedrohung damals, „heißer“ Krieg und Terrorismus heute.

Dunkle Gedanken sollten das Stelldichein an diesem Nachmittag aber nicht erfassen. Der Anlass für das Treffen ist ein erfreulicher gewesen. Die Holzdecke im Krüdener Gotteshaus ist saniert worden, Schritt für Schritt und schon vor einiger Zeit, was aber den Gesprächsstoff nicht verringerte. Zuvor hatten Handwerker bereits Dachstuhl und Deckenbalken erneuert. Insgesamt gut 85 000 Euro hat alles gekostet. Fördermittel, Spenden und Geld des Fördervereins „Romanische Kirchen Krüden / Vielbaum“ haben es möglich gemacht. Der Denkmalschutz habe natürlich ein Wort mitzureden gehabt, manchmal mehr, als den Krüdenern lieb gewesen sei, meint Altpfarrer Hahn verschmitzt. „Letztendlich einigte man sich auf einen Kompromiss. Nicht gleich alles Holz wurde ausgetauscht, weil der Denkmalschutz die Decke für besonders wertvoll hält.“

Das Gotteshaus in Krüden bleibt das größere Sorgenkind des Fördervereins. Die Kirche in Vielbaum könne sich bereits sehen lassen, ihre romanische Schwester wenige Kilometer weiter benötige möglichst zeitnah weitere Hilfe. „Der Altarraum soll weiß gestrichen werden, und irgendwann ist auch das Schiff dran“, kündigt Gudrun Hahn, Vereinsvorsitzende und Ehefrau des früheren Pastors, an. Der Aufwand vor dem Altar sei nicht besonders groß, wahrscheinlich erledigen die Förderer die Arbeiten selbst.

Pfarrerin Almut Riemann hielt an diesem Samstagnachmittag eine kurze Andacht und bedankte sich bei den Hahns und Hans Hildebrandt, ebenfalls Mitglied des Vereins, mit einer Kerze. Auch das Engagement Manfred Emmes aus Vielbaum wurde gewürdigt. Danach blieben alle noch bei Kaffee und Kuchen beisammen.

Von Marco Hertzfeld

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