Über zehn Millionen Euro für Areal mit bewegter Historie

Bahnhof Niedergörne auf Wachstumskurs

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Baubeginn für die Erweiterung des Bahnhofs Niedergörne für eines der größten Gewerbegebiete Sachsen-Anhalts soll 2017 sein. Die Zukunft der Ex-Industriebrache wurde vor 23 Jahren von Bundesumweltminister Töpfer bei Arneburg verkündet.

Arneburg. Den Umgang mit riesigen Geldsummen sind Arneburgs Stadträte als zuständige Demokratiehüter über eines der größten Industriegebiete Sachsen-Anhalts gewohnt.

Und so wird sich das Gremium um Bürgermeister Lothar Riedinger (CDU) auch am Dienstag nicht wundern, wenn es beschließen soll, dass insgesamt mehr als zehn Millionen Euro Fördergeld von der Landesinvestitionsbank in die Verbesserung der Infrastruktur des Industrie- und Gewerbeparks Altmark (IGPA) gesteckt werden soll.

Wäre es nach den Plänen der Gründer jener gigantisch riesigen Produktionsstätte am Ufer der Elbe gegangen, dann würde der Standort schon seit elf Jahren aus der Kraft der Kernschmelze ein Viertel des Strombedarfs von Ostdeutschland decken. DDR-Pläne hatten vorgesehen, dass im Jahr 1996 das erste von insgesamt vier 1000-Megawatt-Blöcken ans Netz gehen sollte. Es kam bekanntlich anders, wie ganz offiziell beim historischen Besuch des damaligen Umweltministers Klaus Töpfer im Mai 1993 verkündet wurde, als für die Industriebrache eine Zukunft als Großindustriestandort im neuen Bundesland festgelegt wurde. Und während der wahnsinnig kostenintensive Rückbau realsozialistischer Kernkraftstechnik etwa im Jahr 2008 beim Abriss von Reaktorgebäuden mit 78 Meter hohen Meilern voranschritt, lief die Großinvestition Zellstoffwerk im vierten Betriebsjahr. Zur Inbetriebnahme des eine Milliarde Euro teuren Großbetriebs war im Oktober 2004 Bundeskanzler Gerhard Schröder in die Altmark eingeflogen, während Umweltministerin Petra Wernicke die Fabrik als „umweltfreundliche Standortentscheidung“ lobte.

Mehr als ein Jahrzehnt nach dem für die strukturschwache Altmark bedeutsamen Produktionsstart auf der Ex-Brache, die mittlerweile rund 30 Unternehmen beheimatet, steht der Gleisanschluss im Investitionsfokus. Für die Erweiterung des Bahnhofs Niedergörne, der für die Herausforderungen der Zukunft fit gemacht werden soll, werden allein 6,5 Millionen Euro gebraucht. Baustart sei aber frühestens 2017, wie Arneburgs Infrastrukturbetriebsleiter Kay Lindemann der AZ am Donnerstag erklärt.

Von Antje Mahrhold

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