Außengastronomie des „Kaffeekult“ wegen Grabungsarbeiten vorerst außer Betrieb

Bagger bremsen Rösterei aus

+
Wo sich sonst Bürger und Gäste vor dem „Kaffeekult“ zu einer Tasse Kaffee niederlassen können, graben zurzeit Bagger das Erdreich um. Die Verwaltung zeigt sich bemüht, die Arbeiten schnell abzuschließen.

Stendal. Rund 450 Kilo an historischen Funden haben Archäologen bislang am Marktplatz aus dem Boden geholt. Wo vor dem Rolandfest noch große Löcher im Boden klafften, wurde nun fast alles wieder aufgefüllt.

Doch nun haben sich die archäologischen Arbeiten vor einen neuralgischen Punkt des Marktplatzes verlagert, vor das Café „Kaffeekult“. So lange, wie vor den dortigen Türen Grabungsarbeiten und Baumaßnahmen umgesetzt werden, kann der Inhaber jedoch keine übliche Außengastronomie betreiben. Aus den Reihen der Verwaltung ist man daher bemüht, die Arbeiten auf ein zeitliches Mindestmaß zu reduzieren.

„Die Arbeiten im Außenbereich dieses Restaurants sollen möglichst schnell abgeschlossen werden“, sagt Stadtsprecher Klaus Ortmann im AZ-Gespräch. Möglichst schnell bedeutet, dass die Arbeiten sogar in den kommenden Tagen zu einem Ende finden könnten. „Wenn ich mir den aktuellen Baufortschritt an dieser Stelle so ansehe, wird es diese Woche auf jeden Fall noch was“, zeigt sich der Stadtsprecher zuversichtlich.

Auch für das Geschehen auf dem restlichen Marktplatz attestiert Ortmann einen planmäßigen Ablauf. Es gebe zurzeit vor allem an den Rändern des Marktplatzes sogenannte „baubegleitende Archäologie“. „Das ist immer da, wo es in die Tiefe geht“, so der Stadtsprecher. Entlang der Häuserfassaden gebe es verschiedene Firmen, die dort beauftragt seien. Zu den Aufgaben, die dort momentan erledigt werden müssen, zählen unter anderem das Verlegen von Regenwasser-Leitungen oder von sonstigen Rohren, die bei Regengüssen das Abwasser in die richtigen Kanäle lenken.

An anderen Stellen gehen die Arbeiten bereits in ihre abschließenden Phasen über. Etwa genau vor der Tür des Rathauses. „Dort ist bereits ein entsprechender Unterbau eingearbeitet worden“, so Klaus Ortmann. Dieses rotbraunfarbene Granulat bestünde meist aus Steinmehl. Sobald diese Schicht erst einmal verfestigt ist, könnten Arbeiter darüber eine Kiesschicht auftragen. „Und danach kann im Prinzip begonnen werden, die Pflasterschicht aufzutragen.“

Seit 2015 greifen Archäologen im Zuge der Erneuerung der Straße Kornmarkt und des Marktes in Stendal zu Schaufel, Eimer und Sieb. Am bedeutendsten hat sich hierbei der Fund von Überresten aus dem 12. Jahrhundert erwiesen. Das Team um Graungsleiter Dr. Manfred Böhme fand die Fundamente einer über 800 Jahre alten Markthalle. Aus den Funden rund um das einstige Gebäude können die Archäologen Rückschlüsse darüber ziehen, wie die altmärkischen Menschen des Mittelalters gelebt haben und welche Geschäfte sich damals schon am Markt befanden.

Von Mike Höpfner

Kommentare