Drei Jugendliche üben das Muttersein mit Bella, Louis und Noah

Ein Baby auf Probe

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Michelle Schweizer (16, Diesterweg-Schule) hält ihre Bella im Arm. Vier Tage lang kümmert sie sich um ihr „Baby“.

kr Stendal. In der Pestalozzi-Schule an der Stendaler Max-Planck-Straße wurden in dieser Woche drei Babys an drei Jugendliche verteilt.

Bella, Louis und Noah sind keine echten Babys, sondern Babysimulatoren – hochtechnologische Computer, die einem echten Baby nachempfunden sind. Sie kosten je etwa 2000 Euro und sind ein gemeinsames Projekt der Pestalozzi-Schule sowie der Sekundarschulen Diesterweg und Goldbeck. Vier Tage lang werden Alina (14), Jasmin(16) und Michelle (16) nun „Mama im Praktikum“ sein.

An den vier Tagen werden sich die Jugendlichen um ihre Babys kümmern. Wie ein echtes Baby müssen die Simulatoren gefüttert, gewickelt und in den Arm genommen werden. Während das Füttern und Windeln nur simuliert werden, muss das Testbaby in den Schlaf gewiegt und darf nicht ignoriert werden, wenn es schreit. Der im Simulator integrierte Chip zeichnet auf, wie lange die „Mama auf Zeit“ braucht, um bei ihrem Baby zu sein, ob der Kopf fest gehalten wurde und mehr. Die babyähnlichen Körper machen sich mit Weinen bemerkbar. Wenn sie sich wohl fühlen, gibt es einen Seufzer und die Atmung ist ständig zu hören.

Zu dem Projekt gehört auch ein Besuch der drei Jugendlichen in der Frauenklinik – natürlich mit ihren „Babys“. Auch ein Hausbesuch von Schulsozialpädagoginnen ist geplant. Birgit Grosser-Schumann, Michelle Tschapki sowie Anna Richter werden den Jungmüttern zur Seite stehen.

Im Vorfeld wurden die „Großeltern auf Zeit“ informiert und um ihre Zustimmung gebeten. Die Jugendlichen sollen mit dem Projekt Erfahrungen sammeln, wie es sich anfühlt, erst an das Baby zu denken, Verantwortung übernehmen zu müssen, ihre Freizeit zu opfern und den Alltag zu meistern.

Michelle füttert ihre Bella und erzählt, dass sie bereits im vergangenen Jahr an diesem Projekt teilgenommen hat. Ihr Fazit: „Es ist eine super Erfahrung für junge Mädchen. Es hat Spaß gemacht. Die Leute auf der Straße hörten das erste Mal von diesem Projekt und fanden es auch gut.“ Freundin Laura sitzt neben Alina und füttert Bella. Sie freut sich darauf, „Mama auf Zeit“ zu sein. Alina dagegen ist schon aufgeregt, wann ihr Louis wohl in der Nacht schreien wird. Jasmins Noah hatte schon zum Anfang des Projektes die Windel voll.

Mutter und Kind sind mit einem Chip im Armband der Mutter, das bis zum Ende der Probezeit ungeöffnet bleibt, eng verbunden.

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