Stadt Stendal will über zusätzliche Tempofallen nachdenken / Einnahmen könnten in die Millionen gehen

Autobahn-Blitzer bereits im Blick

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Autobahnen gelten als Paradies für Schnellfahrer. Doch auch dort nehmen Ordnungshüter mit modernen Messsäulen wie dieser Raser ins Visier. Neben der Polizei mischen die Kommunen mit.

Stendal. Mag die Altmark-Autobahn auch im Schneckentempo daherkommen, bei Stendals Ordnungshütern spielt sie bereits eine Rolle. Zusätzliche stationäre Blitzer scheinen alles andere als ausgeschlossen.

„Es bleibt die Entwicklung der Verkehrsströme nach Fertigstellung der A-14-Verlängerung abzuwarten“, gibt sich Klaus Ortmann noch vorsichtig. Alte und neue Gefahrenquellen, so der Stadtsprecher, sollen dann genau betrachtet und gegebenenfalls mit Messgeräten versehen werden. Die bislang einzige permanente Tempofalle der Hansestadt steht an der B 189 in der Ortschaft Buchholz und hat ordentlich zu tun.

Inwieweit die Kommune neben der Polizei auch an der Autobahn selbst den Verkehr überwachen will, bleibt offen. Dafür müssten die rechtlichen Voraussetzungen und die Notwendigkeit geprüft sowie der politische Wille vorhanden sein. In anderen Teilen Deutschlands sorgen kommunale Blitzer an Schnellstraßen immer wieder für Streit und den verstärkten Vorwurf, Gemeinden wollten sich nur die Taschen füllen. Die wohl berühmteste Radarfalle soll an der A 2 bei Bielefeld stehen. Mehr als 100 000 Mal in einem Jahr löst die Anlage aus. Angeblich flossen seit 2008 bereits deutlich mehr als 30 Millionen Euro in die Stadtkasse. Für Stendals Rathaussprecher haben Blitzer wie der in Buchholz nur eine Aufgabe: den Verkehr in sichere Bahnen zu lenken. „Mit den Einnahmen werden letztlich die Kosten kommunaler Verkehrsüberwachung gedeckt.“

Derzeit registrieren die beiden Anlagen in Buchholz laut Ortmann etwa 20 Geschwindigkeitsüberschreitungen pro Tag. Für die Sommermonate sei wieder mit mehr Temposünden zu rechnen. Die Anlage an der B 189 ist seit April 2014 in Betrieb. In der ersten Zeit registrierten die beiden Säulen insgesamt 60 Bleifüße und mehr an einem einzigen Tag. Inzwischen ist der Standort recht bekannt, zumindest unter Einheimischen. Die durchschnittlichen monatlichen Einnahmen belaufen sich aktuell auf rund 12 200 Euro. Gemäß dem Leihvertrag mit der Jenoptik AG wird von diesem Betrag ein Teil dorthin abgeführt.

Tempofallen stoßen naturgemäß nicht bei jedem auf Gegenliebe. Erst vor wenigen Wochen sind stationäre Messanlagen bei Döbeln in Sachsen und im brandenburgischen Wittenberge vermutlich mit Böllern in die Luft gesprengt worden. Attacken auf die Buchholzer Blitzer sind dem Ordnungsamt nicht bekannt. „Die beiden Anlagen sind so konzipiert, dass die innen liegende Technik durch eine stabile Klappe mit Schloss gesichert ist“, weiß Ortmann. Für die Sicherungs- und Schutzmaßnahmen sei der Vertragspartner verantwortlich.

Kommunen mit mehr als 20 000 Einwohnern wie Stendal können in der Verkehrsüberwachung eigene Wege gehen. In etwa fünf Wochen sollen gut 30 Kilometer weiter nördlich auf der B 189 in der Osterburger Ortschaft Erxleben in Verantwortung des Landkreises Messpunkte eingerichtet werden (die AZ berichtete). Es sind die zweiten Stationen in der Ostaltmark überhaupt. „Mit der Anlage ist in Buchholz eine wirksame und spürbare Verbesserung der Verkehrssicherheit, verbunden mit der Reduzierung des Verkehrslärms, auf der vielbefahrenen Bundesstraße erreicht worden. Ein schöner und wichtiger Erfolg“, findet der Stadtsprecher.

Von Marco Hertzfeld

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