Von Woche zu Woche

Außer Spesen nichts gewesen

Irgendwann reicht es. Einige Forscher dürften schon in Rente gegangen sein, ohne dass mit dem Arendsee irgendwas passiert ist. Wenigstens hatten sie ihr Auskommen bis dahin.

Was aus dem touristischen Kleinod der Altmark wird, ist doch egal. Diesen Eindruck muss man mittlerweile haben. Denn seit Jahren, nein Jahrzehnten, wird geforscht und geforscht, ohne dass tatsächlich etwas passiert.

Alle Forscher, ob die aus Magdeburg oder Berlin, ob Doktor und nicht promovierter Gewässerforscher, haben erkannt: Der Phospor im Arendsee ist das Problem. Er bietet Algen ein willkommenes Nahrungsmittel. Viel Phospor, viele Algen. Viele Algen, Badeverbot. Badeverbot = Tod für den Tourismus.

Schon seit mehr als zehn Jahren wissen die Forscher: Es geht nur mit der chemischen Keule. Eine Aluminium-Verbindung muss in den See, die den Phosphor per Ausfällung bindet. Der Arendseer Stadtrat sagt: Wenn es denn keine biologische Möglichkeit gibt, dann muss es eben die chemische Variante sein. Der unteren Naturschutzbehörde, dem Altmarkkreis Salzwedel, liegt bis heute noch nicht einmal ein Antrag auf diese Ausfällung vor. Warum nicht? Das Land Sachsen-Anhalt, dem der Arendsee gehört, will zwei Millionen Euro für die Seesanierung geben. Eine Willensbekundung, mehr nicht. Angeschoben ist gar nichts.

Wo ist das Problem? Warum geht es nicht los? Auch für die Arbeitsgemeinschaft „Der Arendsee“ ist die Sanierung ein Dauerbrenner-Thema. Erst am letzten Wochenende wieder befasste man sich damit während des Herbstsymposiums. Nun ist dieser Arbeitsgemeinschaft sicher nicht zu unterstellen, dass sie eine Labertruppe ist, die nichts auf den Weg bringt. Sie kann nichts auf den Weg bringen, sie hat in dieser Sache kein Mitspracherecht. Aber natürlich thematisiert sie die Seesanierung, von der seit Jahren, Jahrzehnten, gesprochen wird.

Dass die Lage dramatisch ist, ist schon lange klar. Schon zur Arendseer 825-Jahr-Feier im Jahr 2009 wurde attestiert, dass der Zustand des Gewässers, bewertet nach EU-Richtlinien, auf einer Skala von 1 bis 5 eine glatte „5“ verdient. 2008, das war vor sechs Jahren. Und Arendsee liegt in Deutschland, mitten in der EU. Die Forschungen werden mit EUro bezahlt.

Unsere Landtagspolitiker können gut, viel und lange reden. Im Moment haben sie es mit dem demografischen Wandel, immer mal wieder mit dem Tourismus als Chance in der strukturschwachen Altmark. Gerade erst in dieser Woche ging es am Rande der Altmark, in Oebisfelde, darum, wie der Drömling zur Tourismusregion werden kann.

Da haben wir so eine schöne „blaue Perle“ wie den Arendsee, und da passiert nichts. Wer soll das noch verstehen?

So lange unsere Landtagspolitiker die Seesanierung nicht endlich auf die Tagesordnung setzen, und zwar nicht nur theoretisch, so lange muss wohl der Arendseer Christian Pommerehne weiter mit seinen Klangschalen auf der Seetribüne sitzen, um das Wasser auf diese ökologische Weise zur Vernunft zu bringen. Die Töne im Oberfrequenzbereich sollen die Grundordnung der Moleküle wieder herstellen. Na wer es glaubt ... Tatsache ist aber, dass es seit der letzten Klangschalen-Aktion 2012 kein Badeverbot mehr wegen zu vieler Blaualgen gab.

Vielleicht sollte sich Christian Pommerehne mal in den Landtag setzen und dort die Moleküle in Ordnung bringen ...

Von Ulrike Meineke

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