Wie Katja B. ihr Stiefkind geschlagen haben soll

Zeugin berichtet im Fall Emily: „Es hat auch richtig geklatscht“

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Die 20-jährige Katja B. nimmt neben Verteidigerin Marleen Schmidt Platz. Am gestrigen Verhandlungstag sagte eine Zeugin aus, dass sie Katja B. beobachtet hätte, wie sie Emily schlug. Auch zwei medizinische Gutachten wurden vorgetragen.

Stendal. Mit einer Überraschung hat der gestrige vierte Verhandlungstag im Prozess gegen die 20-jährige Katja B. begonnen, die angeklagt ist, ihre Stieftochter Emily zu Tode geschüttelt zu haben.

Eine Zeugin, die zu ihrer ursprünglichen Vernehmung nicht erschienen und nach der bereits gefahndet worden war, tauchte unerwartet mit ihrer Mutter am Landgericht auf. Ihre Aussage wurde von der Großen Strafkammer als wichtig eingestuft, weil sie beobachtet haben soll, wie Katja B. ihr Stiefkind geschlagen hat.

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„Ich habe gesehen, wie Frau B. der Emily eine gescheuert hat. Es hat auch richtig geklatscht“, so die 17-jährige S. Dabei habe es sich jedoch um einen einmaligen Vorgang gehandelt. Auf Nachfragen des Vorsitzenden Richters Ulrich Galler räumte S. ein, schon kurz nach Silvester blaue Flecken in Emilys Gesicht gesehen zu haben. Den Kindesvater Patrick F., dem vorgeworfen wird, die Misshandlungen billigend in Kauf genommen zu haben, habe sie „sehr spät erst“ informiert.

Die 17-Jährige berichtete weiterhin, dass Katja B. ihre Stieftochter oft für längere Zeitabschnitte auf einen Hochstuhl gesetzt hätte, um sich mit ihrem Handy zu beschäftigen. Damit bestätigt sie zum Teil die Wahrnehmung bereits vernommener Zeugen.

Auch die Kinderärztin F., bei der Katja B. mit Emily vorstellig wurde, schilderte dem Gericht ihre Eindrücke. „Was mir sofort auffiel, waren die Hämatome im Gesicht“, so die 58-jährige Medizinerin, „ich habe auch mehrfach nachgefragt und immer die gleiche Antwort bekommen.“ Katja B. habe nicht gewusst, woher die blauen Flecken stammen, weil das Kind das vorherige Wochenende bei seiner Oma verbracht habe. „Die rechte Wange sah merkwürdig aus. Da waren vier Hämatome im Abstand von einem Zentimeter, fast wie Fingerabdrücke“, so die Ärztin. Sie habe Katja B. auch eine Überweisung für das Gardelegener Klinikum mitgegeben, aber von dort nie einen Befundbericht erhalten.

Gutachter und Neuropathologe Professor Dr. Christian Mawrin zeigte sich in seinen Ausführungen von der Schwere der Kopfverletzungen schockiert. „Bei Emily lag ein massives Hirnödem vor, durch das die Blutversorgung zeitweise komplett unterbrochen war. So ein schwerer Hirnschaden ist schon sehr selten.“ Ähnlich äußerte sich auch Rechtsmediziner Dr. Knut Brandstädter. „Es gibt keine Hinweise auf eine Schädelfraktur. Ausgehend von unseren Untersuchungen, hätte es sich durchaus um ein Schütteltrauma handeln können“, so Brandstädter. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

Von Mike Höpfner

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