Vorsitzender der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz nimmt Stendaler Pfarrer in die Pflicht

Tauben auf  St. Jacobi: Anwalt droht mit Anzeige

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Rechtliche Schritte sollen folgen, wenn sich die Gemeinde St. Jacobi nicht innerhalb einer Frist, die heute endet, bei Anwalt Dr. Eisenhart von Loeper meldet.

Stendal. Die Tauben auf dem Dach von St. Jacobi – sie ziehen nun vielleicht auch noch rechtliche Schritte nach sich. Zumindest drohte Rechtsanwalt Dr. Eisenhart von Loeper, seines Zeichens auch Vorsitzender der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz in Berlin, gestern an, juristisch aktiv zu werden.

„Erhalte ich weder heute noch morgen per Mail oder Fax die erforderlichen Auskünfte zum Ihnen bekannten Stand der Dinge, werde ich ohne weitere Ankündigung bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen die Verantwortlichen Auftraggeber und ausführenden Personen erstatten“, teilt er der evangelischen Gemeinde und dem zuständigen Pfarrer Thomas Krüger mit „freundlichen Grüßen“ mit. Und nimmt den Pfarrer in die Pflicht zur Stellungnahme.

„Quälerei und Tötung von Tauben im Auftrag der Kirche“ lautet der Betreff der E-Mail, deren Inhalt sich auf den AZ-Artikel „Flattern um ihr Leben“ vom 12. September bezieht. Zur Erinnerung: Die Kirchengemeinde hatte eine Fachfirma damit beauftragt, einer „Überpopulation“ an Tauben in und an dem denkmalgeschützten Gotteshaus entgegen zu wirken. Die überregional agierende Firma hatte dabei den Vögeln jegliche Möglichkeit verwehrt, ins Gemäuer zu gelangen und die Einflugöffnungen versiegelt.

Darüber hatten sich Anwohner und ortsansässige Unternehmer wie berichtet beschwert, dies auch in den sozialen Netzwerken publik gemacht. Von Loeper, welcher nach Angaben des Webauftritts der Stiftung maßgeblich daran beteiligt war, Tierschutz ins Grundgesetz aufzunehmen, zitiert aus dem Gesetzestext. „Nach Paragraph 1 Tierschutzgesetz sind wir verpflichtet, in Verantwortung für das Tier als Mitgeschöpf zu handeln und sein Leben und Wohlbefinden zu schützen.“ Der Anwalt aus Baden-Württemberg hält dem Pfarrer vor, dass die Tauben „hier als pure Schädlinge verfolgt und vernichtet“ würden, obwohl sie in „biblischen Berichten als Boten des Heiligen Geistes, als Friedenstauben“ gelten.

„Was immer ihm die ,Fachfirma’ auch erzählt haben mag, sein eigenes Gefühl hätte ihm dieses Vorgehen verbieten müssen“, schreibt Jutta Mir Haschemi-Röben. Und verweist auf Alternativen, die leicht im Internet zu finden seien. So sei in der Hansestadt Hamburg gerade erst ein Taubenhaus einweiht worden, das sich auf einer Moschee im Stadtteil St. Georg befindet. „Herr Krüger möge sich davon eine Scheibe abschneiden“, schreibt die Frau aus dem nordrhein-westfälischen Hamm die den Artikel online kommentierte.

Von Alexander Postolache

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"Lassen uns nicht erpressen"

Superintendent Kleemann befürchtet „Trittbrettfahrer“, die „Geld verdienen“ wollen

xp Stendal. „Wir lassen uns nicht erpressen“, wehrt sich Superintendent Michael Kleemann gegen die angedrohte Strafanzeige im Fall der Tauben von St. Jacobi. Und stellt sich hinter die Entscheidung der Gemeinde, gegen eine „Überpopulation“ der Tiere vorzugehen. „Sollte es zu einer Strafanzeige wegen Tierquälerei kommen, soll ein Gericht entscheiden“, machte Kleemann gestern des Weiteren deutlich. Der leitende Geistliche des Kirchenkreises Stendal hofft, dass nicht noch mehr „Trittbrettfahrer“ mit juristischen Mitteln mit diesem Thema „Geld verdienen“ wollen. „Wir sollten alle die Kirche im Dorf lassen“, mahnt er zur Besonnenheit und versichert, dass von amtsärtzlicher Seite das Vorgehen gegen die Vögel gestattet wurde. Die Tauben würden, wie auch Pfarrer Thomas Krüger im ersten Gespräch mit der AZ betonte, unter dem Dach der Kirche ganzjährig nisten. So könne nie ausgeschlossen werden, dass eine neue Brut durch das jüngst angeordnete Versperren der Einflugwege von der Versorgung von außen abgeschnitten werde. „Ein solches Problem haben wir am Dom nicht“, ergänzte Kleemann abschließend. Dort nisten Raubvögel. Natürliche Feinde, wie Turmfalken, ließen sich allerdings nicht so einfach ansiedeln.

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Blick nach Seehausen

Mit Taubenpaste gegen Plagegeister?

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