Haus, Öfen und Brunnen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert entdeckt

Wo Albrechts Erben shoppten

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Die Ausgrabungsstätte von oben: Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalschutz und Archäologie legen ein Haus frei, in dem möglicherweise Keramik hergestellt wurde. Wer hier Töpfe kaufte, hat vielleicht noch Albrecht den Bären persönlich gekannt.

Stendal. Bebauungsreste aus der Gründungszeit der Stadt Stendal graben Archäologen derzeit in der Bruchstraße in Stendal aus. Die Überreste liegen in ein bis zwei Metern Tiefe im Boden. Sie sind bei Vorab-Arbeiten für einen Neubau entdeckt worden.

Ausgrabungsleiterin Juliane Huthmann an ihrem mobilen Arbeitsplatz vor Ort.

Was zunächst unscheinbar aussieht, ist ein Dokument der ersten Stendaler überhaupt: schwarzes, staubiges Gehölz, am Rande der Grube aufgeschichtet. Dabei handelt es sich, so erklärt die Ausgrabungsleiterin Juliane Huthmann, um Reste eines Brunnens. „Das waren seitliche Begrenzungen des Brunnens“, erklärt sie und schabt mit einer Kelle ein angeschliffenes Ende der Holzteile frei, „diese Bohlen wurden mit dieser Kante in den Boden gebracht“.

Diana Dahlke säubert Holzbohlen, die als seitliche Begrenzung einen Brunnen formten.

Sie schätzt sie derzeit auf die zweite Hälfte oder das Ende des 12. Jahrhunderts – also etwas nach der Gründung des Marktes in Stendal unter Albrecht dem Bären. Die Steinmauern, die wenige Meter neben dem Brunnen direkt an der Bruchstraße gefunden wurden, stammen laut Huthmann vermutlich aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Das ist die Zeit, in der Stendal bereits zur Hanse gehörte. Der romanische Vorgänger der heutigen St. Marienkirche stand bereits, der Dom noch nicht. Das Holz des Brunnens wird nun in das Archäologische Ins-titut nach Berlin gebracht. Dort soll das ganz genaue Alter festgestellt werden.

Weitere interessante Funde waren für Huthmann und ihr Team mehrere Öfen, die möglicherweise für Keramik verwendet wurden. Es sei typisch gewesen, dass Menschen zur damaligen Zeit ihr Handwerk im Haus ausübten, weiß die Ausgrabungsleiterin.

Von Kai Hasse

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