Flüchtlinge in Goldbeck: Sprachkurse sind Mangelware und Asylsprechstunden gibt es nur in Klietz

„After Ramadan noch einmal“

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Ehrenamtskoordinatorin Bianca Weber listet auf, was gut ist und schlecht.

Goldbeck. Als ein bisschen chaotisch, aber doch ziemlich cool trägt sich der erste offizielle Begegnungstag für Flüchtlinge in Goldbeck in die Vita der Verbandsgemeinde ein.

Dabei blickte Freiwilligen-Agentur-Ehrenamtskoordinatorin Bianca Weber Mittwochnachmittag zunächst noch in einen sehr leeren Verwaltungsamtssaal, auch Goldbecks Sekundarschulsozialarbeiterin Michelle Tschapke, Asylverfahrensberater Folker Lemme, Pfarrer Michael Nolte und Ortsbürgermeister Torsten Dobberkau hatten da noch freie Platzwahl.

Jenseits angeblich deutscher Pünktlichkeit herrschte schon eine Stunde später aber tobendes Kindergewusel und ein massives Stimmengemurmel selbst auf dem Gang vor Arneburg-Goldbecks Hauptverwaltungsstuben. Mehr als ein Dutzend Jungen und Mädchen vom Baby bis zum Schulkind sowie rund 20 Mütter und Väter bevölkerten den Raum. Kekse und Obst verschmähten die überwiegend aus Syrien stammenden Neuankömmlinge allerdings fast komplett, denn der islamische Fastenmonat gilt seit Montag. So legte Gastgeber Dobberkau auf den weitgehend überflüssigen Imbiss einfach lindgrüne Papierservietten. „After Ramadan treffen wir uns noch einmal“, bat der Ortschef gleich um Wortmeldungen, denn: „Wir wollen heute über eure Probleme reden!“

Auf rund 50 Köpfe ist die Zahl der Asylbewerber im Uchtedorf derzeit angewachsen. Und während sich einige Neuankömmlinge dort schon wieder mit Umzugsplänen befassen, weil es sie beispielsweise zu Verwandten nach München ziehe, geraten die Kräfte vieler Ehrenamtlicher langsam an ihre Leistungsgrenze, berichtet eine Akteurin der AZ. Es reiche eben nicht aus , den Leuten eine Wohnung im Neubaublock zu geben. Neben vermeintlich banalen Herausforderungen, wie den Tücken der deutscher Mülltrennung, gibt es für die Goldbecker Neubürger im Ort auch keinen Sprachkurs. Solcherlei Angebote seien, wenn überhaupt, derzeit nur in Stendal oder Osterburg zu haben. Noch schwieriger stellt sich die Situation in der Beratung zum Asylverfahren dar. Sprechstunden durch Fachleute etwa vom DRK und der Caritas werden in der Landeserstaufnahmeeinrichtung in Klietz abgehalten – aber nicht in Goldbeck.

So trägt die Organisatorin des Treffens, Bianca Weber, dann auf einer Tafel zusammen, was Goldbecks Flüchtlinge gut und nicht so gut finden an ihrem derzeitigen Wohnort. „Leute helfen“, „Nachbarn“ und „Schule“ steht dann auf der Daumen-hoch-Seite, während der Mangel an Sportmöglichkeiten und Sprachkursen negativ zu Buche schlägt. Doch die sicher wichtige Bestandsaufnahme der Erwachsenen fesselt die Kinder nicht. Ein Teil von ihnen und darunter besonders die Jüngsten erobern lieber signalstarke Objektkunst in der Ecke des Amtssaals. Als der Nachwuchs aus Syrien auf dem Rücken der drei Blauschafe tobt, hat das seit Anfang 2014 als Teil der Objektkunstaktion „Blaue Friedensherde“ in Goldbeck weilende Trio seine wahre Bestimmung gefunden. Werben die acht Kilo schweren, ultramarineblauen Polyesterharz-Skulpturen doch für ein menschliches Miteinander. Erst bei genauem Hinsehen lässt sich erkennen, dass alle Herdenmitglieder ein und die gleiche Figur sind. Und das gilt ja auch nicht nur für Schafe  . . .

Von Antje Mahrhold

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