Im Landtag Sachsen-Anhalts auch Stimmen aus anderen Fraktionen

Wahl der Vizepräsidenten in Sachsen-Anhalt: Die AfD mischt mit

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Vizepräsidenten: Wulf Gallert (l.) und Daniel Rausch. F.: dpa

dpa Magdeburg. Die rechtspopulistische AfD stellt erstmals in Sachsen-Anhalt einen Landtags-Vizepräsidenten.

Der bisher weitgehend unbekannte, 52 Jahre alte AfD-Kandidat Daniel Rausch erhielt bei der geheimen Wahl der Vizepräsidenten 46 Stimmen – und damit rechnerisch 21 Stimmen aus anderen Fraktionen. Mit einem so guten Ergebnis hatte Rausch nicht einmal selbst gerechnet, wie der 52-Jährige nach der Wahl sagt.

Der Abstimmung folgt in der konstituierenden Sitzung des Landtags eine noch größere Überraschung: Der langjährige Fraktionschef der Linken, Wulf Gallert, fällt mit 44 Nein- und nur 39 Ja-Stimmen bei der Wahl für den zweiten Vize-Posten im ersten Wahlgang durch. Erst im zweiten Versuch erhält er mit 45 Stimmen die nötige Mehrheit.

Derzeit laufen in Sachsen-Anhalt, wo die AfD am 13. März bei der Landtagswahl fast jede vierte Stimme erhalten hatte, Verhandlungen zur Bildung einer Koalition von CDU, SPD und Grünen.

Ein unerfahrener Rechtspopulist wird im ersten Wahlgang gewählt – und ein erfahrener Linken-Abgeordneter nicht? Nicht nur bei den Linken, sondern auch bei SPD, Grünen und Ministerpräsident Reiner Haseloff sorgt das für lange Gesichter. Der Landtag wollte einen Eklat verhindern – und produzierte doch einen anderen. „Wir sind in einer Situation, wo die Demokratie in Sachsen-Anhalt vor einer großen Bewährungsprobe steht“, sagt Grünen-Fraktionschefin Claudia Dalbert.

Auch der neue Landtagspräsident aus den Reihen der CDU, Hardy Peter Güssau, hatte zuvor mit 47 Ja- und 35 Nein-Stimmen ein eher bescheidenes Ergebnis eingefahren.

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