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Abitur zum Zusammenbasteln – Wenn das mal gut geht ...

Wenn das mal gut geht ... Unser Bildungsminister Marco Tullner (CDU) will das Abitur in Sachsen-Anhalt reformieren, hat er in dieser Woche angekündigt. Der Unterricht soll leistungsdifferenzierter werden. Heißt: Wer in Mathe schwach ist, kann die schriftliche Prüfung in diesem Fach durch eine Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft ersetzen.

Denn viele Abiturienten seien derzeit mit der Mathematik überfordert. Und wer kein Ingenieur werden will, müsse kein Mathe-Genie sein.

Die künftigen Abiturienten wird das freuen. Auch, dass künftig nur noch 36 der bisher 44 Halbjahresleistungen ins Abitur einfließen und sie somit acht schwächere Noten streichen können. So kann man sich ein prima Abitur zusammenbasteln ...

Das alles soll den Abitur-Durchschnitt anheben, denn momentan glänzt Sachsen-Anhalt zwar mit guten Mathe-Ergebnissen, liegt aber bei der Abi-Quote ganz hinten.

Verlassen kann man sich auf unsere Bildungspolitik nicht. Jeder neue Bildungsminister schafft etwas ab oder will etwas Anderes. Abitur nach zwölf Jahren, Abitur nach 13 Jahren, Gymnasium ab Klasse 9, Gymnasium ab Klasse 5. Empfehlung der Lehrer ja, Empfehlung nein. Das klassische Kurssystem, bei dem die Schüler der Oberstufe Fächer in zwei unterschiedlichen Leistungsniveaus belegen können, war unter Bildungsminister Jan-Hendrik Olbertz abgeschafft worden.

Grundsätzlich sollen die Regeln für das Abitur in allen Bundesländern angeglichen werden. Das wird auch Zeit. Bezweifelt werden darf, ob das auch gelingt. Es kann nicht sein, dass ein Abitur in Bayern mehr wert ist als in Sachsen-Anhalt.

Und es kann auch nicht sein, dass die Gymnasien unterschiedliche Standards haben. Hier gibt es kein Latein, weil kein entsprechender Lehrer da ist, hier fällt ein halbes Jahr lang Mathe aus, weil die Lehrerin dauerkrank ist und kein Ersatz gestellt werden kann.

Der Lehrermangel ist allgegenwärtig, besonders in den neuen Bundesländern, wo es weniger Lohn gibt. Wenn die Reform 2019 für die Schüler, die dann in die elfte Klasse kommen, greifen soll, also erstmals für die jetzigen Achtklässler, dann werden schnell mehr Lehrer gebraucht. Denn wenn die Schüler zwischen Grund- und Leistungskurs wählen können, braucht es zusätzliche Lehrangebote und folglich mehr Personal – das schon jetzt nicht vorhanden ist.

Ein kurioses (wenn es nicht so ernst wäre) Beispiel aus der Berufsschule I in Stendal: Dort fehlen mindestens vier Lehrer für die Migranten. Die Ausschreibungen sind für die Zeit vom 17. Oktober bis 31. Dezember befristet. Wer bitteschön soll sich wohl auf so eine Ausschreibung bewerben? Wer bringt solche Ausschreibungen auf den Weg? Das sieht ganz danach aus, etwas getan zu haben. Und wenn sich keiner bewirbt, kann das Schulamt eben auch nichts dafür ... So ist es (leider) nicht nur in diesem Fall.

Wie der Lehrermangel behoben werden soll, dazu hat man von unserem Bildungsminister noch nichts gehört. Aber er hat erstmal eine Idee. Zurück zum klassischen Kurssystem.

Wenn das mal gut geht ...

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © dpa

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