Goldbecker beräumen ihre Traditionsfabrik für die Zukunft

Ein Kampf gegen Staub und Schmutz: 82-Jährige schiebt „sagenhaft“

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Über vier Stunden ihrer Freizeit opferten 21 Goldbecker Frauen und Männer, um die Zuckerhalle fit zu machen für das Plummus-Fest, das am 17. September in der Zuckerhalle gefeiert werden soll. Am Montag, 4. Juli, 9 Uhr, ist der nächste Arbeitseinsatz.

Goldbeck. Mundschutz-Alarm beim schweißtreibenden Einsatz tatkräftiger Goldbecker für die Zukunft ihres letzten Relikts örtlicher Industriekultur: Auf dem Weg zum Multifunktionsdomizil verausgaben sich in der Zuckerhalle seit Tagen fleißige Uchtedorfbewohner kräftezehrend ehrenamtlich.

„Wir stecken kniehoch im Dreck“, schildert die rührige „Managerin“ der AZ zwischen Staub und Schmutz. Ihren Namen will die bald 70-Jährige aber auf keinen Fall in der Zeitung lesen. Und überhaupt solle keiner der insgesamt 21 Einsatzkräfte vom letzten Samstag besonders hervorgehoben werden. Mit einer einzigen Ausnahme: Als älteste Akteurin des kollektiven Kampfes gegen tonnenweise Schutt und Müll, jeder Menge miefigen Hinterlassenschaften gedankenloser Zerstörer sowie diverser bröckelnder Altbausubstanz habe sich Erika Brauer in die Chronik dieser Zuckerhallen-Belebung eingetragen. Die 82-Jährige sei besonders fleißig mit der Schubkarre unterwegs gewesen. „Das war wirklich sagenhaft“, schildert ihre Mitstreiterin.

Bald 130 Jahre nach Gründung der „Aktien-Zuckerfabrik Goldbeck“, für die vor der Inbetriebnahme im September 1890 eine Magdeburg-Sudenburger Maschinenfabrik die Produktionsgeräte lieferte, ein Berliner Brunnenbauer tätig war und der Magdeburger Maurermeister August Meurice einen soliden Backsteinbau modellierte, hält die Begeisterung im Ort für eine moderne Renaissance in der immerhin 900 Quadratmeter großen Haupthalle weiterhin an. Nicht wenige Goldbecker wissen in ihrem Bürgermeister einen erklärten Zuckerhallen-Fan, weshalb im Dorfe längst bedauert werde, dass Torsten Dobberkau erst im August vor sechs Jahren das Ruder übernahm und nicht schon früher. Der 53-Jährige jedenfalls hat für das zuletzt immer wieder massiv von Zerstörungswut heimgesuchte Objekt ziemlich handfeste Pläne. „Meinen 60. Geburtstag will ich im Sacklager feiern.“ Der Raum im oberen Stockwerk direkt unter dem Dach sei sein Lieblingsort. Und auch bei vielen anderen Feierwütigen grassiere der Zuckerhallen-Virus. So habe Dobberkau bereits die Anfrage für eine Goa-Party erreicht und seien diverse Magdeburger Institutionen an Veranstaltungen in der Goldbecker Ex-Fabrik interessiert. Auch sei das Objekt bestens für Präsentationen verschiedenster Art geeignet, wie etwa der Vorführung eines allerneuesten Traktors. Ebenso auf der Agenda steht die Errichtung eines Indoor-Spielplatzes, zählt der Bürgermeister auf.

Ihre Feuertaufe will das Objekt im September beim Plummus-Fest bestehen. Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun. Weshalb am Montag, 4. Juli, um 9 Uhr ein weiterer Arbeitseinsatz beginnt – und der vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Szene gesetzt wird. Ausgestrahlt wird der Beitrag „Mitmachen statt meckern“ am Dienstag, 5. Juli, 19 Uhr, im MDR.

Von Antje Mahrhold

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