„Sie wollte selber Sex“

30-Jähriger wegen Beziehung zu einer Minderjährigen vor Gericht

Stendal / Gardelegen. „Ich war noch jung und habe mir nicht viele Gedanken darüber gemacht“, schildert die heute 19-jährige Geschädigte von ihrer ersten Beziehung.

Als sie den in Kasachstan geborenen und geistig zurückgebliebenen Beschuldigten kennenlernte, war sie erst 13 Jahre alt, er bereits über 20. Der Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich gewesen, strafbar hat sich der nun 30-Jährige dennoch gemacht. „Schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes“ heißt das auf Amtsdeutsch und dafür muss er sich seit gestern vor dem Stendaler Landgericht verantworten.

Aus dem Gericht

Insgesamt 80 Straftaten werden dem Angeklagten aus Gardelegen zur Last gelegt. Von September 2009 bis August 2010 soll er mit dem Opfer eine sexuelle Beziehung geführt haben. „Ich habe ihre Mutter überredet, dass ich mit ihr zusammen sein darf“, gesteht der 30-Jährige die Taten. Dass sie erst 13 Jahre alt gewesen sei, habe er vor dem ersten Geschlechtsverkehr nicht gewusst. „Sie wollte auch selber Sex machen“, so der gebürtige Kasache, der in seiner Vernehmung von einer Dolmetscherin unterstützt wurde. Ein Kondom habe er nicht benutzt, da sich M. nach ihrem ersten Mal die Pille habe verschreiben lassen.

„Ich habe es freiwillig gemacht. Wir haben uns aber kaum draußen sehen lassen wegen des großen Altersunterschieds“, gibt die Geschädigte in ihrer Vernehmung an, „ich habe ihm am Anfang gesagt, dass ich 13 bin.“ Auch ihre damaligen Freundinnen hätten nichts von der Beziehung gewusst. Zwei- bis dreimal pro Woche sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen. Dass der Angeklagte weder lesen noch schreiben kann und nicht fließend Deutsch spricht, habe sie nicht gestört.

Zu dem Geisteszustand des Beschuldigten äußerte sich seine Mutter, die den Schwerbehinderten auch gesetzlich vertritt. Im Alter von zwei oder drei Jahren sei ihm eine Lautsprecherbox auf den Kopf gefallen. „Die Ärzte in Kasachstan haben die Wunde nur zugenäht und uns nach Hause geschickt“, so die 48-Jährige. Auch sei er schon in Kasachstan in psychiatrischer Behandlung gewesen. Wegen Depressionen habe er sich zudem in den vergangenen Jahren in der Uchtspringer Klinik behandeln lassen. „Er war immer ein lieber Junge“, so die Mutter von insgesamt vier Kindern. Der Prozess wird am Mittwoch, 9. Dezember, unter anderem mit der Verlesung eines Gutachtens fortgesetzt.

Von Mike Höpfner

Rubriklistenbild: © dpa

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