22-Jähriger zündelte in einer psychiatrischen Einrichtung, weil er in ein anderes Heim verlegt werden wollte

„Er wurde nicht ernst genommen“

mih Klötze / Stendal. Weil er in ein anderes Heim verlegt werden wollte und sich nicht anders zu helfen wusste, soll ein 22-Jähriger Kleidungsstücke angezündet und Kurzschlüsse herbeigeführt haben.

Das Landgericht Stendal verurteilte den intelligenzgeminderten D. gestern wegen versuchter schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Diese wird er im Maßregelvollzug einer mecklenburgischen Klinik verbüßen.

Aus dem Gericht

„Der Angeklagte war mit dem Heim in Klötze unzufrieden und hat gezündelt, weil er in eine offene Einrichtung wollte“, erläuterte der Sachverständige Klaus Löffler, Facharzt für forensische Psychiatrie, den Sachverhalt. D. wird vorgeworfen, am Abend des 25. April 2015 zunächst eine Steckdose aus der Wand gerissen zu haben, um mit den Kabeln einen Kurzschluss zu verursachen. Im Anschluss soll er seine Kleidung mit Deospray eingesprüht haben, bevor er sie anzündete. Das Zimmer sei laut Anklageschrift „nicht unerheblich verrußt“ gewesen.

„Der Sachverhalt ist ja relativ übersichtlich“, so Verteidiger Arne Jonas. Der Angeklagte hatte die Taten umfassend gestanden. Jonas richtete auch kritische Worte an die Klötzer Einrichtung. „Der Beschuldigte lief quasi mit einem Banner herum. Er hat die Brandstiftung angekündigt, wurde aber in Klötze nicht ernst genommen“, so Jonas. Mit dem Urteil entsprach der Vorsitzende Richter Ulrich Galler der Forderung der Staatsanwaltschaft. Klaus Löffler sieht durchaus Möglichkeiten für eine positive Wende im Leben des Angeklagten: „Auch Herr D. ist lernfähig, nur langsamer als andere Menschen.“

Von Mike Höpfner

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