„Helfe schon als Dolmetscher aus“

17-jähriger Syrer in Stendal auch abseits des Fußballplatzes aktiv

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Ghith Allaeddin stammt aus der syrischen Stadt Idlib und wohnt seit neun Monaten in Stendal. Wenn er nicht in der Berufsschule lernt oder Fußball spielt, hilft er in der Sportjugend des Kreissportbundes als Dolmetscher aus.

Stendal. Rund 50 junge Menschen waren dabei, als gestern Vormittag das Sportfest auf dem Gelände der Gemeinschaftsunterkunft, organisiert vom Kreissportbund, begann.

Neben einigen Kindern und Jugendlichen aus Stendaler Fußballvereinen bestand die sportliche Truppe größtenteils aus Bewohnern der Unterkunft. Einer von ihnen ist Ghith Allaeddin. Der 17-Jährige stammt aus der syrischen Stadt Idlib im Nordwesten des Landes. Seit neun Monaten lebt er in Stendal. Und ist seitdem nicht nur auf dem Fußballplatz aktiv.

Insgesamt zehn Mannschaften kämpften beim Sportfest am Möringer Weg um den Sieg im „Soccer Court“.

„Ich lerne seit sieben Monaten Deutsch“, berichtet Allaeddin im AZ-Gespräch, „erst habe ich einen 320 Stunden umfassenden Kurs zur Integration gemacht. Und seit drei Monaten gehe ich hier zur Berufsschule und lerne dort weiter.“ In der Unterkunft am Möringer Weg lebt der junge Syrer zusammen mit seinem 20-jährigen Bruder. „Ich helfe auch schon als Dolmetscher aus und fahre mit Anke über die Dörfer, mal nach Eichstedt, mal nach Lindtorf“, so Allaeddin. Mit Anke meint der Syrer Anke Hartel. Sie ist Sozialarbeiterin in der Gemeinschaftsunterkunft am Möringer Weg und gleichtzeitig Vorsitzende der Sportjugend im Kreissportbund. „Er lernt unglaublich schnell“, so Hartel über ihren neuen Assistenten, „und wenn ich über das Land fahre, brauche ich schon einen Dolmetscher.“ Neben Ghith Allaeddin gebe es noch ein paar weitere junge Menschen, die Hartel beim Überbrücken der Sprachbarriere unterstützen. „Das ist eine große Hilfe für uns“, so Hartel.

Und bei Veranstaltungen wie dem Sportfest ist der 17-Jährige auch mit dabei. Im Sportfest-Team der „Kellerasseln“ steht Allaeddin im Startaufgebot. Gespielt wird im sogenannten „Soccer Court“, Fußball in einer Art Käfig. Auch an Streetball oder einem Kletterturm können sich die Teilnehmer probieren. „In Syrien habe ich in einem Verein Fußball gespielt. Hier treffe ich mich ab und zu mit Freunden und wir spielen einfach so.“ Noch ein Jahr Berufsschule hat er vor sich. Wie es dann weitergehen soll, weiß der Syrer schon jetzt: „Ich will eine Ausbildung machen.“

Die Mittel für das Sportfest stammen aus den Bundesprogrammen „Integration durch Sport“ und „Demokratie leben“. „Es wäre schön, wenn wir dieses Sportfest als feste Größe einmal pro Jahr etablieren könnten“, wünscht sich Anke Hartel.

Von Mike Höpfner

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