Neu-Lückstedter Ali und Hamid leisten Nachbarschaftshilfe

„Zwei anständige Kerle“

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Seit Oktober leben Ali (l.) und Hamid in Lückstedt. Die beiden 16-jährigen Afghanen wollen nach der Schule eine Lehre beginnen, spielen gern Fußball und zeigten Hilfsbereitschaft in Lückstedt.

Lückstedt. „Auseinander“ ist ein Wort, das Hamid schwierig findet. Für Ali ist es das gebeugte Verb „funktioniert“, das ihm beim Lernen der deutschen Sprache bisher leichte Probleme bereitete. Ohnehin sei die Grammatik nicht gerade leicht zu lernen.

Die Weinranken an der Fassade mussten beschnitten werden. Rainer Klos fand im Ort schnelle Hilfe.

Doch für den 16 Jahre jungen Abdul Hamid Sadeghi stehen die Chancen gut, noch in diesem Jahr an der Berufsschule in Stendal seinen Hauptschulabschluss zu machen. Und dann? Dann möchte der Afghane gern eine Lehre zum Mechaniker machen. Seine ersten Erfahrungen hat schon während eines Praktikums gemacht. Die Probearbeit in einer Autowerkstatt in der Nähe des Wohnheims in Lückstedt, wo er, Ali und zehn weitere junge, männliche Afghanen untergebracht sind, sei sehr lehrreich gewesen. Und sei auf freundschaftlicher Basis gelaufen. Ali Abbasi möchte sehr gern Elektriker werden, muss allerdings noch weiter an seinen Sprachkenntnissen arbeiten. Vielleicht wird es dann im kommenden Jahr etwas mit dem Hauptschulabschluss für den ebenfalls 16-Jährigen, der wie Hamid seit Oktober in dem ehemaligen Mädchenwohnheim in der Altmärkischen Höhe untergebracht ist.

Sprache lernen, die Schule besuchen, „Gras schneiden“ auf dem Wohnheimareal und das „Haus reparieren“ – Alltag für die beiden Jugendlichen, die ihre Heimat verließen.

„Zwei anständige Kerle“ sind es, findet Rainer Klos. Der Lückstedter lernte Ali und Hamid persönlich vor wenigen Tagen kennen. Auf seinem Hof musste der Wein an der Fassade des Stalls beschnitten werden. Auf eine Leiter mochte der 73-Jährige lieber nicht mehr steigen. „Ich habe im Wohnheim nachgefragt und spontan Hilfe bekommen“, freut sich der Rentner und möchte sich noch einmal für die Unterstützung bedanken.

Wenn die beiden Afghanen nicht gerade in der Nachbarschaft oder im Wohnheim helfen, machen sie gern, was viele Jungendlichen in ihrem Alter tun. „Zwei Mal in der Woche spielen wir Fußball“, sagt Hamid, der auch am Ringen Spaß hat.

Von Alexander Postolache

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