Stadt: Haus 7 behindert Entwicklung / Denkmalschutz gegen Abriss

Zankapfel Markt-Ruine: „Nicht mehr zu retten“

Ist dieses Haus noch zu retten? Stadt und GBS meinen nein, der Denkmalschutz meint ja, zumindest bislang. Die Hofseite sieht besonders schlimm aus. Entlang der Straßen Am Markt stehen weitere Häuser leer, in einigen davon scheint sich aber langsam etwas zu tun.

Seehausen. Das Dach auf der Hofseite ist teilweise eingestürzt. Fenster und Türen fehlen. Im Inneren haben sich Feuchtigkeit und vermutlich auch Schimmel breitgemacht. Das Haus Am Markt 7 in Seehausen zerfällt zusehends. „Es ist nicht mehr zu retten.

Das Ding muss weg“, meint Detlef Neumann (UWG). Der Bürgermeister möchte das marode Gebäude im Herzen der Stadt lieber heute als morgen abgerissen und kein weiteres Geld mehr für irgendwelche Sicherungsarbeiten ausgegeben sehen. Der nötige Antrag bei der zuständigen Denkmalschutzbehörde ist gestellt. Doch die stelle sich quer. „Dabei sieht doch selbst ein Blinder mit Krückstock, dass dort einfach nichts mehr zu machen ist. “.

Die Wischestadt ist reich an Wohnungsbauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Auch das Mittelalter lässt sich in den Straßenzügen noch gut erkennen. Ein Erbe, auf das die Bürger zurecht stolz sein könnten, meint Neumann im Gespräch mit der AZ. Doch manche Objekte seien eben so verfallen, dass sie sogar zum Bremsklotz für die Entwicklung eines ganzen Quartiers werden würden. Zudem sei, zumindest seines Erachtens nach, Am Markt 7 stadthistorisch nicht sonderlich wertvoll. Gerade rund um das Rathaus und den Marktplatz stehen zahlreiche Häuser leer. Einige Einzelhändler, abseits der Großen Brüderstraße, der Einkaufsstraße der Stadt, halten wacker die Fahne hoch. Wo zu DDR-Zeiten noch deutlich mehr Leben geherrscht haben dürfte, kämpfen dieser Tage Tristesse und Aufbruchstimmung miteinander.

Die Kommune hat das Problemhaus vor wenigen Jahren an die Gesellschaft für Bauen und Wohnen Seehausen (GBS), eine 100-prozentige Tochter der Stadt, übertragen. Geschäftsführerin Sabine Dietrich hatte bei einer Ausschusssitzung kurz über das Haus berichtet. Mit dem Hinweis, dass es sich um einen laufenden Vorgang handele, will sich die GBS-Chefin nun vorerst öffentlich nicht mehr dazu äußern.

Bürgermeister Neumann hofft, dass der Denkmalschutz rasch grünes Licht für den Abriss gibt. „Und vielleicht findet sich ja dann relativ schnell ein Interessent für das Grundstück. Eine Lückenbebauung hat es ja auch in einem ähnlichen Fall schon ein paar Häuser weiter gegeben. Ich bin da eigentlich recht optimistisch.“

Die Denkmalschutzbehörde ist bislang für eine Stellungnahme zum Seehäuser Streitfall nicht zu erreichen gewesen.

Von Marco Hertzfeld

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