Weg am Bahnhof erhält Dr. Albert Steinerts Namen

Wittenberge ehrt getöteten Seehäuser

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Burkhard Genth an der Gedenktafel für die Ermordeten auf dem einstigen Nähmaschinenwerk: Die Stadt Wittenberge wird demnächst auch den Seehäuser Arzt Dr. Albert Steinert ehren.

Seehausen/Wittenberge. Der Seehäuser Arzt Dr. Albert Steinert und der Wahrenberger Bürgermeister Ewald Fredrich wollten in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs den drohenden Artilleriebeschuss auf die Wischestadt abwenden und zogen als Parlamentäre nach Wittenberge.

Dort wurden die beiden Altmärker auf Befehl von Major Rautenberg bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion verurteilt und auf dem Gelände des Singer-Nähmaschinenwerks standrechtlich erschossen. Für seine mutige Tat erhielt Dr. Steinert die Seehäuser Ehrenbürgerschaft. Auch der Platz am Krankenhaus bekam seinen Namen. Demnächst wird auch die Seehäuser Grundschule Dr. Albert Steinert heißen. Auch die Wahrenberger haben ihren einstigen Bürgermeister geehrt, in dem sie eine Straße Ewald-Fredrich-Ring benannten.

Nun ziehen die Wittenberger nach. Ein Fußgänger- und Radweg vom Bahnhof in Richtung Jahnschulviertel soll den Namen Dr. Albert Steinert bekommen. Einen entsprechenden Beschluss fasste die Stadtverordnetenversammlung. Zudem werde eine Informationstafel am Weg montiert, die auf die Geschehnisse in den Apriltagen 1945 hinweise und auch biografische Angaben des ermordeten Mediziners enthalte, sagte Christiane Schomaker von der Pressestelle der Stadt Wittenberge gestern auf Anfrage der AZ. Zudem werde auf der Tafel auch auf Ewald Fredrich hingewiesen. Die feierliche Namensgebung soll um den Geburtstag Dr. Steinerts stattfinden, der vor 130 Jahren am 28. September 1886 in Frankreich das Licht der Welt erblickte. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Auf den Spuren Dr. Albert Steinerts und Ewald Fredrichs begaben sich jüngst altmärkische Drahteselfreunde unter Führung der Radtouristikerin Susanne Bohlander aus Losenrade. Stadtführer Burkhard Genth begleitete die Pedalritter auf dem Gelände des ehemaligen Wittenberger Nähmaschinenwerks und zeigte auch die Gedenktafel, an deren Stelle die beiden Altmärker und weitere Menschen erschossen wurden.

Von Thomas Westermann

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